Eine Frage des Adrenalins

Im Juni 2011 erlitt Thomas Johannes Mayer kurz nach einer «Macbeth»-Aufführung einen Herzinfarkt – mit 41 Jahren. Wenig später stand er wieder auf der Bühne, in der Salzburger «Frau ohne Schatten». Mayer ist heute einer der meistbeschäftigten Heldenbaritone der Welt. Hier spricht er offen über Gesundheit, Karriere, die Droge Wotan und über die Frage, warum Sänger ihre Haut zu Markte tragen.

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Herr Mayer, Sie singen Mega-Rollen wie Wotan in München und demnächst Hans Sachs in Amsterdam. Haben Sie Ihr Traum-Repertoire gefunden?
Ja, absolut! Ich bin beim großen Wagner-Repertoire angelangt, so wie es mein Wunschtraum war, singe aber nach wie vor Verdi und Strauss. Meine Steckenpferde! Immer schon lag mir das dramatische Fach besonders am Herzen. Mit den lyrischen Partien habe ich mich schwergetan.

Warum?
Wegen der szenischen Umsetzung. Ich mag die konkreten Typen, die eine dunkle Seite in sich tragen.

Bin anscheinend eher tiefgründig veranlagt. Ich scheue mich nicht, in den Abgrund zu schauen. Mit den existenziellen Dingen des Lebens beschäftige ich mich viel, auch theoretisch. Am meisten interessieren mich Nietzsche oder die Lebensphilosophen. Dort wo eine Brücke zur Psychologie geschlagen wird. Ich habe fünf Studiengänge abgeschlossen, bin Musiklehrer, Diplom-Opernsänger und habe Staatsexamen in Geschichte, Philosophie und Musik.

In München sprangen Sie für den erkrankten Juha Uusitalo als Wotan ein. Mit welchem Gefühl?
Das war eine tragische Geschichte für Juha Uusitalo. Für mich war es eine Chance. Und es ist alles gut gelaufen. Darüber bin ich froh. Warum? Weil es nicht so ...

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Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Interview, Seite 40
von Kai Luehrs-Kaiser

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