Die zarte Seele, noch im kannibalistischen Exzess
«... und wir Männer ersehen aus diesem Stücke, wie wir durch die Weiber, im günstigsten Falle, zu Grunde gehn.» Mit diesem ironisch-zynischen Resümee beschließt Heinrich Heine in den «Memoiren des Herrn von Schnabelewopski» die Geschichte vom Fliegenden Holländer, die Wagner zu seiner gleichnamigen «Romantischen Oper» inspirierte.
Heines wahrlich witziges Paradoxon setzte, fröhlich frivol, ein Thema, das im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert zur Basis unerhörter Düsternisse und Schrecknisse, auch ästhetischer Herrlichkeiten wurde: der Liebestod, zumal des Mannes, als Erlösung im und vom Geschlechterkampf, gesteigert noch bei Otto Weininger zum «Geschlechter»-, «Frauen»- und «Selbsthass». Zur romantischen Vision von «reiner Liebe» und «hohem Paar» gehörte auch die Negation, der Abgrund des Hasses, in den die Liebesraserei umschlägt. Solch krasser Rollen-Antagonismus ersetzte das lange obligate Bild der Frau als passiv-madonnenhafte Märtyrerin: Lucia, Violetta, Mimì, Elisabeth. Konterkariert wurde dieses Idol freilich durch die «femme fatale», die sich und anderen den Tod bringt: Carmen, Salome, Marie, Lulu.
Doch das Motiv des Hassliebe-Duells hat in Schauspiel, Oper und Film ...
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Die deutsche Frage ist auch nach dem Ende des Kalten Krieges ein beliebtes Thema geblieben. Während sie politisch seit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten kaum noch eine Rolle spielt, taucht sie in den ästhetischen Debatten der Kulturnation umso öfter auf. Zumal, wenn es im Land Bachs, Beethovens und Brahms’ um die Musik geht. «Von deutscher Seele» – so...
Vermutlich nie zuvor gab es ein Bühnenbild, das von so vielen Menschen gesehen wurde. Bei der Fußball-EM im vergangenen Juni nutzte das ZDF die Bregenzer Seebühnenoptik mit dem magischen blauen Riesenauge vor der dunklen Wand als Kulisse für die kommentierende Präsentation jenes Sportevents. Bereits in der Vorjahressaison hatten rund hunderttausend Besucher der...
Eigentlich bemerkt man ihn kaum, den Hausmeister im mausgrauen Kittel, der in diesem Warteraum der Macht voller Sekretärinnen und Ministerialbeamten seine eintönige Arbeit verrichtet. Stoisch öffnet und schließt er immer wieder per Knopfdruck die bis zur Decke reichenden Fensterrolläden. Allmählich changiert so bleiernes Kunstlicht zu kaum weniger befreiendem...
