Rampentheater, auseinandergezogen
Dem Feind Säure ins Gesicht geschüttet, den Gatten befreit, «namenlose Freude» besungen – doch da gibt es noch vier weitere Gefangene. Aufgeteilt auf drei Käfige schweben sie vom Schnürboden. Vier Herren im Frack sind das, Streicher des Bayerischen Staatsorchesters, die Partiturfremdes spielen: das Adagio aus Beethovens Quartett op. 132. Jenen «Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit», der berührt, innehalten lässt, den Augenblick viel besser kommentiert und überhöht als manch plakativ gestaltete «Leonoren»-Ouvertüre. Ein Moment, der den enttäuschenden Abend (fast) rettet.
«Fidelio» einmal nicht als Fascho-Drama, das ist – nach all den erschöpfend inszenierten Diktatur-Variationen – eine grundsätzlich sympathische Entscheidung. Ebenso die Eliminierung vieler Holperdialoge zugunsten überraschend passender Texte von Jorge Luis Borges. Regisseur Calixto Bieito zielte bei seinem späten Debüt an der Bayerischen Staatsoper auf anderes: auf die Freilegung des individuellen Konfliktfeldes, in dem sich Leonore und Florestan bewegen. Folgerichtig ließ er sich von Rebecca Ringst eine monumental aufragende Labyrinthkonstruktion bauen, durch die das Personal in zuweilen lähmender ...
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Opernwelt Februar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Markus Thiel
In Basel gewesen. «Pique Dame» gesehen. Immer wieder nicht schlecht gestaunt. Ab und zu auch nichts verstanden. Zuvor die Theaterzeitung gelesen, im Programmheft geblättert. Manche Überraschung erfahren, doch nicht alles auf der Szene wiedergefunden. So ließe sich's weiter schreiben. Allein, David Hermanns Tschaikowsky-Inszenierung, Christof Hetzers bildnerische...
Manchmal gibt es merkwürdige Synchronizitäten. Im Juni 2010 widmete sich Claus Guth an der Wiener Staatsoper bereits zum zweiten Mal Wagners «Tannhäuser» und zeigte einen Titelhelden, dem alles Heldische fremd blieb, der vielmehr zwischen Realität und Virtualität gefangen schien und nach diversen inneren und äußeren K(r)ämpfen schließlich im Irrenhaus landete...
Die Regionalzeitung hat schon eine «Zeitenwende» ausgerufen. Eine Nummer kleiner formuliert, heißt das: In Essen stehen Veränderungen an, die das kulturelle Gesicht der Stadt auf Jahre hinaus prägen werden. Konkret geht es um die Zukunft des Theater- und Philharmonie-Betriebes (TuP). Diese TuP ist eine städtische Gesellschaft, hat knapp 700 Mitarbeiter und bildet...
