Geschlechterkampf im Breitwand-Format
Für Glenn Gould war Ernst Krenek eine «One-Man History of Twentieth-Century Music». In der Tat gibt es wohl keinen zweiten Komponisten, der die musikalische Moderne gleichsam in Personalunion verkörpert. Im Symposion des Berliner Konzerthauses brachte es Lothar Knessel so auf den Punkt: Krenek sei der personifizierte Zeitgeist schlechthin – ein ganzes Jahrhundert lang! Leider steht die Rezeption seiner Musik in krassem Missverhältnis zu ihrer gestalterischen Fülle.
Diesem Dilemma abzuhelfen, hatte sich das Berliner Konzerthaus mit einem Festival vorgenommen, das unter dem Motto «Zwischen den Welten» neben einer Vielzahl von Konzerten zwei Opern in den Blickpunkt rückte: «Orpheus und Eurydike» (1923) und «Dark Waters» (1950). Die Bemühungen des Konzerthauses um das zeitgenössische Musiktheater können nicht hoch genug bewertet werden.
Eine «Konzertante Oper mit Szene», so das avisierte Format von «Orpheus und Eurydike», kommt nicht umhin, sich mit den Räumlichkeiten des Spielorts auseinanderzusetzen. Regisseur Karsten Wiegand implantierte ein brachiales Baugerüst in den heimeligen Schinkel-Klassizismus, das die Harmonie des Raumes mit sperriger Schroffheit missachtete und dennoch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Annamania, LangLanglitis – keine Seuchen, auch nicht ansteckend. Doch dahinter verbergen sich Symptome, die auf eine Erkrankung schließen lassen. Die Krankheit könnte man «Trend» nennen oder «Event». Es geht um die Kasse, und das ist durchaus legitim. Verwunderlich nur, dass sich die Symptome mittlerweile wie selbstverständlich auf eine Branche erstrecken, die sich...
Erstes Bild: Chopin geht ins Theater
Wir stellen uns die Szene vor. Wie der junge Mann, von der Dominsel kommend, über die Promenade am Festungsgraben schlendert, gedankenversunken. Wie er von dort, Gryphius und Lessing folgend, Alfred Kerr und Theodor Fontane zuvorkommend, in Richtung Altstadt strebt, hin zu der von Altaristenhäusern gesäumten Elisabethkirche...
Wie diese Inszenierung beleben? Wie ihr eine zusätzliche Spannungsdosis fürs Heimkino verpassen? Wenn Bildregisseur Michael Beyer im «Making of» über seine Arbeit sinniert, ahnt man: Das größte Problem ist, dass die Verewigung auf DVD überhaupt in Angriff genommen wurde. Eben weil Christoph Marthaler bei «Tristan und Isolde» dem Rauschhaften von Wagners Musik mit...
