Musik vor Szene
Für John Caird, den Regisseur der neuen «Aida» an der Welsh National Opera (WNO) in Cardiff, spielt die Geschichte vor allem in Radames’ Oberstübchen. Quelle seiner Leidenschaft, so Cairds These, seien die Fantasien eines Mannes in mittleren Jahren. Folglich sitzt Dennis O’Neill gleich zu Beginn im Scheinwerferlicht. Jacke und Hose deuten auf die Zeit um 1870. An einer Wasserpfeife saugend, blickt er mit ausdrucksloser, leicht benebelter Miene ins Leere – ein barocker Heiliger, der gerade eine Vision hat.
Die Kriegsparteien – Priester, Äthiopier und der ägyptische Hofstaat mit einem König, dem Emma Ryott (Kostüme) eine viktorianische Uniform und einen Fez beschert hat – tummeln sich auf verschiedenen Ebenen. Die Bühne (Yannis Thavoris) ist wie ein verkrustetes Bärengehege gestaltet, womöglich gehört es zu einem Zirkus, der mit wilden Tieren seine Späße treibt. Darüber verlaufen Holzstege, auf denen die ausgezeichnet disponierten Choristen der Welsh National Opera bequem Platz finden. Die Chöre bereiten noch die größte Freude in einer Aufführung, in der ausnahmslos Rampensingen statt plausibler Personenführung angesagt ist.
Man denke an ein Filmplakat aus den Dreißigern, das für ...
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Jazz und Klassik – das ist eine nicht immer unbedingt glückliche Beziehung gewesen. Zugleich aber ist es die Geschichte einer schon lange währenden wechselseitigen Faszination: Kaum tönten die ersten blue notes und syncopated rhythms aus New Orleans, Chicago und New York, da horchten auch schon Komponisten in Europa interessiert auf. Igor Strawinsky, Darius...
Glyndebourne war einmal ein Ort, an dem (auf Einladung von Günther Ebert und Peter Hall) bedeutende Monteverdi-Pioniere arbeiteten. Doch das ist lange her, abgesehen von einer «Poppea» zum fünfzigjährigen Jubiläum des Festivals 1984. Wenn nun die neue «Poppea»-Produktion dort eines bestätigt, so die Erkenntnis, dass das Stück dramaturgisch größere Probleme aufwirft...
Etwas ist anders als sonst. Nicht allein liegen die Rheintöchter dort drunten, auf dem Grund des ruhenden Flusses, sondern als Teil einer Art Jeunesse dorée, die sich müßig dem Tage entgegenräkelt, nicht wissend, welch Ungemach droht. Parallel zur Musik, die das einfühlsam beschreibt, umreißt Richard Lowes Choreografie dieser Szene die Morgenstimmung einer...
