«Ich war egoistisch»

Er war der Vorzeige-Tenor der DDR. Eine Naturbegabung, die bei den Dresdner Kruzianern unter Rudolf Mauersberger den entscheidenden Schliff erhielt. Auch als Peter Schreier längst zwischen Salzburg, Wien und New York Oper sang, blieb die «oratorische» Prägung der Stimme hörbar. Ein Gespräch über die Anfänge in Ost-Berlin, den «Mozart-Fanatiker» Josef Krips, Wagner-Debüts unter Karajan, instrumentales Singen und eine Karriere unter realsozialistischen Bedingungen

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Herr Schreier, Sie sind als Oratorien- und Liedsänger berühmt geworden. Die Oper kam erst später hinzu?
Ja, so ist es. Meine Entwicklung ging vom Dresdener Kreuzchor aus, von der Affinität zu den alten Meistern. Warum bin ich überhaupt zur Oper gekommen?! Ich werde es Ihnen sagen: Eine Gesangskarriere kann man nicht ohne Oper machen.

Fühlten Sie sich zur Oper gedrängt?
Zumindest wurde ich in diese Richtung gedreht. Von der Stimme her war klar, dass Mozart dabei an erster Stelle stehen würde. Stark beeinflusst hat mich Josef Krips.

Ich hatte durch einen Zufall in Ost-Berlin den damaligen Leiter des Wiener Musikvereins, Rudolf Gamsjäger, kennengelernt. Der war sehr gut mit Krips befreundet. Krips hörte mich im Musikverein und trieb die Sache für mich voran. Das muss Mitte der sechziger Jahre gewesen sein.

Da haben Sie doch schon Oper gesungen...
Ja, erst im Dresdener Staatsopernstudio und dann an der Berliner Staatsoper. Das habe ich damals aber eher gemacht, weil ich mich weiterentwickeln wollte. Wichtig war mir immer, dass ich an einer großen Bühne engagiert bin.

Warum das?
Es hätte ja auch die Möglichkeit bestanden, zum Beispiel nach Gera oder Altenburg zu gehen und dort frühzeitig ...

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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Interview II, Seite 64
von Kai Luehrs-Kaiser

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