Zauberhaft
Gott ist tot? Von wegen. Allgegenwärtig ist er, allwissend, allmächtig. Und vor allem laut. Ungezählte Male an diesem Abend ist sein (elektronisch gesteuerter) Donner im weiten Rund der Komischen Oper Berlin zu vernehmen, und mag es geschlagene eineinviertel Stunden dauern, bis wir Jupiters endlich ansichtig werden (verkleidet, als vornehmem Gesellschaftsmenschen), weiß doch jeder im Raum: Er ist da. Wie Keikobad, der Unsichtbare. Nur eben noch stärker, verwandlungsfähiger. Und: ein Verliebter.
Wenn Allan Clayton im Smoking den völlig verkohlten Saal betritt (er hat fürwahr ganze Arbeit verrichtet, der Blitzzornige), würdevoll und neckisch-keck zugleich in seinen Gesten, dann wissen wir längst, dass es hier schon häufiger gebrannt hat. Auch Nicole Chevaliers wildwüchsig-existenzialistische Semele entstieg ja (phönixgleich?) bereits zu Beginn einem Aschehaufen, während die Musik, vielleicht eine Spur zu bedächtig-bedeutsam, noch melancholisch in c-Moll schmerzte. Ein unwirtlicher Ort also, in dem gleichwohl zunächst die falsche Hochzeit anberaumt ist.
Barrie Kosky, der nach der krankheitsbedingten Absage von Laura Scozzi gleichsam über Nacht zu Händels 1744 an Covent Garden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Jürgen Otten
Oft gleicht die Musikgeschichte einem Sommer in südlichen Ländern: Es blendet die Sonne, die Schatten sind tief. Deutlich sieht man jene, die im Licht steh’n. Die im Schatten erkennt man erst, wenn das Auge sich ans Dunkel gewöhnt. Dies gilt wohl – seinem Namen völlig widersprechend – auch für den Komponisten Hans Sommer (1837-1922), der bereits am Ende seines...
In den vier Jahren seit ihrer Gründung hat sich die Heartbeat Opera unter New Yorks Off-Broadway-Kompanien mit ihrem Markenzeichen hervorgetan: Bekannte Repertoirestücke werden auf brandaktuelle Themen abgeklopft, beschnitten, umgestellt, kurz: pointiert. Dabei können sich die künstlerischen Leiter Ethan Heard und Louisa Proske auf ein fähiges Musikerteam stützen....
Es war Gerard Mortier, der ihn für das Musiktheater gewann. Und das Stück, das der damals, 1982, gerade angetretene neue Intendant der Brüsseler Monnaie-Oper für Karl-Ernst Herrmann und seine Ehefrau Ursel ausgewählt hatte, war Mozarts «Clemenza di Tito». Jenes späte, sinnesprall tragische «Dramma serio», das in seinem psychologischen Tiefgang weit über die...
