Kostüm braucht Überhöhung
Herr von der Thannen, wie erklären Sie es sich, dass Sie schon mehrfach zum «Kostümbildner des Jahres» gewählt wurden – aber noch nie als Bühnenbildner?
Ich muss sagen: Ein wunder Punkt! Seit knapp 30 Jahren mache ich immer beides. Für mich sind Kostüme und Bühnenbild untrennbar. Mehr noch: Meine Kostüme könnten überhaupt nicht wirken, hätten sie nicht den Raum, den sie dafür brauchen. Man denkt immer, Kostüme könnten aus sich heraus entstehen. Das ist ein Irrtum. Sie kommen aus dem Raum heraus.
Im Fall des Bayreuther «Lohengrin» sind die Ratten aus der Labor-Situation heraus entstanden.
Kam die Idee, den Chor als Ratten auszustaffieren, von Ihnen oder von Hans Neuenfels?
Ich glaube, von uns beiden. Wir gehen immer gemeinsam spazieren, wenn wir miteinander arbeiten. Ich glaube mich zu erinnern, dass wir eine animalische Gesellschaft zeigen wollten. Beim ersten Gespräch schwankten wir noch zwischen Pinguinen und Ratten.
Wo gehen Sie mit Neuenfels spazieren?
Hauptsächlich im Berliner Tiergarten. Es ist aber nicht so, dass uns dort einfach eine Ratte über die Füße gelaufen wäre. Fritjof Capra hat geschrieben, die Welt werde eines Tages von mehr Ratten als Menschen bevölkert sein. Ratten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Bilanz, Seite 112
von Kai Luehrs-Kaiser
Seit seiner Uraufführung vor hundert Jahren an der Semperoper in Dresden ist «Der Rosenkavalier» eine der beliebtesten Opern überhaupt. Was wirkt wie aus einem Guss, ist jedoch ein Konglomerat verschiedenster und einander widersprechender Einflüsse. Und das nicht nur, weil Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal denkbar unterschiedliche Künstlernaturen waren. Die...
Seine Leidenschaft ist die Oper. Das wird er nicht müde zu betonen. Eine heiße, gewissermaßen legale Geliebte – die ihren Anbeter allerdings schon mehrfach von sich gestoßen hat. Vor diesem Hintergrund ist Mariss Jansons der wohl ungewöhnlichste «Dirigent des Jahres». Nur selten taucht er nämlich im Graben auf. Und wenn er es tut, dann erlebt man Affären: intensiv,...
Mieczyslaw Weinberg war einer der bedeutendsten Komponisten seiner Zeit. Dennoch blieb er überall heimatlos. Durch seine Musik dokumentierte er den Genozid der europäischen Juden. Aber auch nach dem Zweiten Weltkrieg hatte seine Musik keine Chance. Bis sie jetzt von den Bregenzer Festspielen wiederentdeckt wurde.
Im Zentrum des Weinberg-Programms stand die szenische...
