Aus dem Leben eines Taugenichts

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Es gibt da ein Spiel, das Opernfans in England gern spielen. Es heißt «Richard Jones Bingo» und geht so: Man geht in eine Jones-Inszenierung. Und jedes Mal, wenn man eins seiner Markenzeichen sieht, gibt’s ein Kreuzchen. Eine Blümchentapete? Ein Waschbecken? Ein Sänger, der seltsame Verrenkungen macht? Bingo!

Gerade laufen in Glyndebourne die Proben für den «Rosenkavalier». Ich spiele Valzacchi, diesen skrupellosen Tratschonkel. Da müsste ich eigentlich ganz ungeniert alles ausplaudern dürfen. Wie die Kulissen aussehen. In welcher Epoche Richard das Stück ansiedelt.

Ob es einen riesigen Saurier auf der Bühne gibt ... Leider sind wir alle an eine Art Code gebunden. Eine Frage der Ehre und so, Sie wissen schon. Sie können mich sogar rausschmeißen, wenn ich nicht den Mund halte. Und das will ich denn doch nicht.

Es ist Richards erster Strauss, was mich überrascht. «Schätze, ich war Glyndebournes fünfte Wahl», vertraut er mir an. «Ich auch», sage ich ergeben. In meinem Fall ist das keine falsche Bescheidenheit. Ich habe schon einen Kollegen getroffen, der Valzacchi singen sollte. Er konnte nicht, man kam auf mich. So läuft der Hase in einem Sängerleben: Beleidigtsein sinnlos. Mal ...

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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Magazin, Seite 81
von Christopher Gillett

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