Singulär
In den letzten Jahren hat sich Ewa Podles, die polnische Belcanto-Queen, mehr und mehr das Charakterfach erobert, sich in komischen («La Fille du régiment», «Cendrillon») wie in tragischen Partien («Elektra», «Pique Dame») als große Sängerdarstellerin zu erkennen gegeben. Das Kapitel Belcanto schien damit abgeschlossen. Umso größer ist die Überraschung, die mittlerweile 60-jährige Künstlerin in einem Mitschnitt aus Pesaro in der Titelrolle von Rossinis fünfter Oper «Ciro in Babilonia» zu erleben.
Hier gibt sie eine Lektion in dramatisch erfülltem, virtuosem Gesang, der an die besten Zeiten von Marilyn Horne erinnert. Die mühelosen Übergänge vom tiefsten Altregister in lichte Sopranhöhen sind atemberaubend, noch beeindruckender ist jedoch die erreichte Einheit von Text und Musik, die von den meisten Rossini-Sängerinnen vernachlässigt wird.
«Ciro in Babilonia» ist noch weit davon entfernt, ein Meisterwerk zu sein. Der 21-jährige Komponist schrieb seine fünfte Oper relativ flüchtig und musste mit einem unbedarften Libretto vorlieb nehmen, das den biblischen Stoff von Belsazar aufgreift, der hier Baldassare heißt. Doch nicht der Babylonierkönig steht im Mittelpunkt der Handlung, sondern ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Ekkehard Pluta
Im Februar 2013 hat Nina Stemme in ihrer Heimat Schweden ein furioses Debüt als Turandot gegeben (OW 4/2013). Im Dezember ist sie zurückgekehrt, um zum ersten Mal als Salome auf der Bühne der Königlichen Oper in Stockholm zu stehen. Spätestens seit der Barcelona-Produktion von 2009 ist sie eine der gefragten Stimmen für die heikle und anspruchsvolle Partie und...
Sie heißen «Passion», «Maria Magdalena», «Im Anfang», «Weinstock» oder «Geist». Sie sind durchnummeriert, von I bis IX, doch die Reihenfolge spielt keine Rolle. Sie kreisen um Texte aus dem Johannes-Evangelium und der Apostelgeschichte, um apokryphe Quellen (Thomas-Evangelium) und die «Sprüche der Väter» (Pirqe Avot) aus dem babylonischen Talmud. Sie suchen in...
Herr Spering, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Wagners «Iphigenia»-Version aufzunehmen?
Ich stöbere schon immer sehr gern in Musikantiquariaten. Eines Tages stieß ich auf Noten, die mich sofort elektrisierten. Auf dem Deckblatt stand: Christoph Willibald Gluck, «Iphigenia in Aulis», in der Fassung von Richard Wagner. Beim Blättern stellte sich heraus, dass es...
