Halb lebendig
Das Stück wird geliebt, seine kompositorische Finesse oft gerühmt. Aber es könnte noch viel besser sein, hätte Erich Wolfgang Korngold die Oper nicht mit Anfang 20, sondern mit 30 geschrieben und den «Genius loci» nicht vollständig aus der Musik verbannt. Das von ihm und seinem Vater verfasste Libretto weist Brügge durchaus eine zentrale Rolle zu; musikalisch jedoch reduziert sich die Handlung auf Paul, der nicht aufhören kann, seine verstorbene Frau Marie zu beweinen, bis ihn die Tänzerin Marietta, äußerlich Maries Doppelgängerin, um den Verstand bringt.
Im Roman – die Personen tragen dort andere Namen – erdrosselt der Witwer schließlich die lästige Verführerin. Korngolds Libretto entwertet den Plot, indem es den Mord als Traum darstellt.
Georges Rodenbachs «Bruges-la-Morte», ein Meisterwerk des Symbolismus, erzählt eine der sonderbarsten Liebesgeschichten der Weltliteratur. Ohne die graue Schwermut dieses Ortes, ohne seinen Nebel, Regen und unaufhörlichen Glockenklang, die zusammengenommen wie die «kalte Asche der Zeit» über allem liegen, würde die morbide Amour fou des Romans keinen Menschen mehr interessieren. Von den wesentlichen Ingredienzen sind, und das auch nur als ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Volker Tarnow
Vielleicht ist der Zusammenhang zufällig. Aber der Auftrieb der nationalistischen Kräfte in Deutschland und ihre Versuche, die Geschichte des Rassismus nach ihrer Ideologie zu «korrigieren, scheint die Theater zu deutlichen Stellungnahmen zu animieren. Dazu gehört die Konjunktur von Viktor Ullmanns Kammeroper «Der Kaiser von Atlantis», die im Konzentrationslager...
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der für November 2018 angekündigten Musiktheater- und Opernpremieren. Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser.
Eine Liste mit Kontaktdaten finden sie hier.
ML = Musikalische Leitung
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K = Kostüme
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S = Solisten
UA = Uraufführung
Deutsc...
Endlich. Endlich hat sich einer getraut, die gigantische Leere der Bochumer Jahrhunderthalle für sich sprechen zu lassen. Bei Christoph Marthaler ist der Riesenraum nicht spektakuläre Location, schon gar nicht schrundige Hülle für wilden Kulissenzauber. Sondern ein Protagonist sui generis. Ein schlafendes Ungeheuer, in dessen Bauch aus Stein, Glas und Stahl ein...
