Apropos... Lehrjahre
Frau Romaniw, Sie sind nach dem Konservatorium nach Houston ins Opernstudio gegangen – eine schwierige Zeit für Sie.
Diese Nachwuchsprogramme nehmen einen hart ran. Das muss wohl auch so sein. Die Gelegenheit, mit erfahrenen Kollegen den Theateralltag zu teilen und auf der Bühne zu stehen, fand ich unbezahlbar. Doch stimmlich fing ich gefühlt wieder bei Null an.
Wieso bei Null?
Der Umzug brachte natürlich einen Lehrerwechsel mit sich. Und die Unterrichtsmethoden in Großbritannien unterscheiden sich gewaltig von denen in den USA.
Während in London die Ausbildung auf ein, sagen wir mal, ganzheitliches Künstlertum zielt – auf Auseinandersetzung mit dem Text, der dramatischen Intention – geht es in Amerika um Technik, Technik, Technik. Für mich war dieser absolute Fokus auf die Klangproduktion ungewohnt, legte Unsicherheiten offen. Umso wichtiger war der Prozess natürlich. Singen ist wie Autofahren: Am Ende muss man die Schaltung beherrschen, und zwar ohne nachzudenken. Aber auf dem Weg dahin verlor ich mitunter völlig das Gefühl dafür, was ich da überhaupt sang!
Das klingt nach einer handfesten Sinnkrise.
Es kam so weit, dass mich jemand ziemlich weit oben in der Hierarchie beiseite ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Wiebke Roloff
Vielleicht lag es an der Komplexität der Partitur, vielleicht am Zeitpunkt der Pariser Uraufführung 1936, wenige Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg. Vielleicht lag es aber daran, dass Georges Enescu nicht die Bedeutung zukam, die er als Komponist verdient hätte. «Oedipe» jedenfalls, seine einzige Oper, schaffte es nie in den Kanon. In Deutschland wurde das Werk erst...
Über manches darf man sich bei dieser «Carmen» im Stadttheater Bern wundern. Über die Herren im Anzug zum Beispiel, die im ersten Rang dreist auf der Treppe ganz am Rand Platz nehmen. Nun, es sind Choristen, die aus dem Zuschauerraum heraus agieren. So wie José, der als artiger Premierenbesucher vorn im Parkett sitzt und sich – nachdem ihm Carmen nicht eine Blume,...
Von Pergolesi waren bis vor Kurzem mehr ihm untergeschobene oder fälschlich zugeschriebene Werke im Umlauf als echte. Das Verhältnis von authentischen zu unechten Kompositionen beträgt eins zu zehn – einer der höchsten Werte in der gesamten Musikgeschichte. Umso größer ist die Überraschung, wenn jetzt erstmals zwei umfangreiche Werke des früh verstorbenen...
