Mythos Iphigenie
Am Ende des zweiten Akts von Luigi Cherubinis «Ifigenia in Aulide» sind vier Seelen in Aufruhr. Agamemnon soll seine Tochter Iphigenie opfern, damit die Göttin Diana ihm Winde schickt und seine Schiffe endlich nach Troja auslaufen können. Iphigenie will sich dem Schicksal fügen, aber Achill, ihr Verlobter, ist nicht einverstanden. Odysseus drängt, den Willen Dianas zu erfüllen.
Cherubinis letzte italienische Oper war nach der Uraufführung 1788 in Turin ein riesiger Erfolg. Eine Partitur, die den Geist der Zeit atmet.
Man hört, dass der Komponist Bühnenwerke Glucks, Rameaus und anderer Zeitgenossen gekannt haben muss. Auch Mozart scheint anzuklingen. Jedenfalls erinnert die musikalische Charakterisierung der Figuren, etwa in manchen der Bläserfiguren, an die Instrumentierungskunst des Salzburgers. Ob Cherubini das berühmte Quartett aus dem «Idomeneo» kannte, wissen wir zwar nicht, doch der Vergleich drängt sich geradezu auf.
Drei verschiedene Vertonungen des Iphigenie-Stoffes standen im Zentrum der diesjährigen Gluck Opern-Festspiele. Gluck und seine Zeitgenossen – das war von Beginn an der Horizont des in Nürnberg beheimateten Festivals. Dabei schwärmt man gern ins fränkische ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Magazin, Seite 88
von Elisabeth Richter
Ein starker Start, in jeder Beziehung. Das Badische Staatstheater in Karlsruhe stemmt den vierten «Ring des Nibelungen», seit es 1975 sein neues Haus bezog. Alle zehn Jahre soll ein neuer Anlauf sein. Das Unternehmen lässt sich diesmal mutig an. Wie damals bei Klaus Zehelein in Stuttgart sind’s vier (nun freilich jüngere) Regisseure, die sich ans Werk machen....
Natürlich darf Shakespeare im Jubeljahr auch beim Glyndebourne Festival nicht fehlen: Er bekam mit «Béatrice et Bénédict» eine prominente Position im Programm. Berlioz’ letzte Oper – eine Version von «Viel Lärm um nichts» – kam 1862 in Baden-Baden heraus. Sie wird zwar gelegentlich aufgeführt, doch im Repertoire etablieren konnte sie sich bislang nicht. Auf dem...
Gerade ist in Verona das Arena Opera Festival 2016 zu Ende gegangen. Wie so oft in den vergangenen Jahren erlaubte die angespannte finanzielle Situation nur einen eher müden Spielplan mit notdürftig aufgepeppten Altinszenierungen der «Aida», «Carmen», «Turandot», «Traviata» und des «Trovatore». Als einzige Neuerung im Déjà-vu waren zwei Leuchttafeln für Untertitel...
