Unterm roten Stern
Iossif Wissarionowitsch Dschugaschwili, besser bekannt und gefürchtet als Stalin, der «Stählerne», hatte ein zu kurzes Bein. Ein «teuflischer» Defekt, den er gut zu verbergen wusste. Auch wir wussten nichts davon, ehe Stephen Lawless uns im Programmheft darüber aufklärte. Denn der Regisseur des Doppelabends mit Tschaikowskys «Iolanta» und Rachmaninows «Francesca da Rimini» (nach Dantes «Göttlicher Komödie») im Theater an der Wien fand darin eine Parallele zur Figur des Lanceotto Malatesta, des Gattinnen- und Brudermörders aus Rachmaninows Stück.
In dieser Inszenierung wird er «zur Verkörperung der Diktatur», birgt überdies «hinter seiner äußeren Fassade einen starken Selbsthass» (Lawless). Weswegen der Regisseur den Doppelabend in eine nicht ganz nahe liegende Handlungszeit zwängt: in die Ära Stalins. Als weiteren Inspirationsgrund erwähnt der Brite das Verbot jeder Form von romantischer Literatur in jener Ära; «Francesca» stellt in diesem Sinne die brutale Realität, «Iolanta» eine erträumte romantische Welt dar.
Tschaikowskys spirituell getöntes Spätwerk von der blinden Königstochter, die durch die Macht der Liebe ihr Augenlicht gewinnt, erlebt zur Zeit eine Hausse. Im Grunde ist ...
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Opernwelt März 2012
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard Persché
Herr Brück, Sie wirken vom Typus her robust. Sind Sie es?
Ich kann eine Menge einstecken, das ist richtig. Man muss es können. In dem Moment, wo man sich öffentlich präsentiert, wird man auch öffentlich angreifbar.
Als dünnhäutig würden Sie sich nicht bezeichnen. Aber als normal?
Schon, aber mit einer gesunden Portion Schamlosigkeit. Ich denke, das ist sogar ein...
Fangen wir an mit den Farben. Mit dem Rot, Gelb und Blau, dem Weiß, Schwarz und Grau der bühnengroßen Prospekte, die hinten auf- und niederfahren. Unentwegt verändern die riesigen Leinwände ihre Anmutung, in sanft fließender Bewegung. Strahlen wie die Sonne, glühen wie Höllenfeuer, werden dunkel wie die Nacht, grünen wie der Frühling. Metamorphosen des Lichts, die...
Dass fast alle von vornherein verloren sind, wird schnell klar. Ausstatterin Annemarie Woods, die 2011 (mit anderem Regiepartner) zwei wichtige Nachwuchspreise gewann, lässt den Figuren kaum Raum für Entfaltung – weder in ihrer zwischen Surrealismus und Expressionismus schwankenden Bühne noch in ihren historisierenden Kostümen, die das Stück ins frühe 20....
