Das Glück des Augenblicks
Die Neuinszenierung von Frank Hilbrich bestätigt es: Die scheinbar leichte, heute etwas bemüht-brillant wirkende «Jazz-Oper» von 1927 ist nicht leicht zu realisieren. Mit ihr huldigte der blutjunge Avantgardist Ernst Krenek dem Zeitgeist der Goldenen Zwanziger – der Wagnerismus, dem noch Strauss und Schreker mit ihren lyrischen Musikdramen beseelt gefolgt waren, galt als überwunden. «Mahagonny» und die «Dreigroschenoper» grüßten schon vorab. Die Nazis erklärten den gefeierten und hundertfach gespielten «Jonny» für «entartet» und verboten ihn.
Ernst Krenek, Wiener des Jahrgangs 1900, wollte etwas unverblümt Freches auf die Beine stellen: «Ich ersann eine lebhafte und spannende Handlung», bemerkte Krenek lapidar. «Zeitoper» nannte man das damals, und doch erfand der Komponist mit seinem selbstverfassten Libretto eine durchaus konventionelle Personendramaturgie in alltagsbanalen Umgebungen: Es gibt zwei Paare – ein ernstes, der Komponist Max und die Opernsängerin Anita, sowie ein lustiges, der farbige Jazzgeiger Jonny und das Stubenmädchen Yvonne. Vier Personen werden durch die amourösen Machenschaften des Violinvirtuosen Daniello und den verführerischen Glanz seiner kostbaren ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Wolfgang Schreiber
Der Laden sieht ziemlich schäbig aus: schmuddelig-gelbliche Wän- de, billiges Mobiliar, überall Müll auf dem schachbrettartigen Boden. Und an der dürftigen Theke, hinter der trostlose Kacheln giftgrün schimmern, fehlt selbst das, was sonst in jeder italienischen Bar zu finden ist: die Kaffeemaschine. Einzig der neon-leuchtende Schriftzug im Obergeschoss zeugt...
Jubilare
Herkunft verpflichtet. Wie Verdi und Toscanini stammt Carlo Bergonzi aus der Region Parma. Er ist mit der Oper aufgewachsen, schon als Sechzehnjähriger nahm er ein Gesangsstudium auf. 1947 debütierte er als Bariton, arbeitete sich dann in diesem Fach drei Jahre durch kleine und mittlere Theater, stand mit Altmeistern wie Beniamino Gigli und Tito Schipa auf...
Hübsch ist der Tod. Sexy, ob im Pailletten-Fummel oder im Weißkittel als Dottoressa Mirakel. Vor allem aber: Er ist die heiße Affäre jenes Mannes, der nun aus dem Schattenreich zurückkommt – und vielleicht, wenn die Liebe der im Diesseits verbliebenen Mutter oder seiner Gattin stark genug ist, wieder unter die Lebenden darf. Ein Mann, drei Frauen, man ahnt es...
