Berlin, Tschaikowsky: Eugen Onegin
Man vergisst es oft in den luxuriös besetzten Aufführungen großer Opernhäuser: dass Tschaikowskys «Eugen Onegin» eigentlich eine Oper über junge Menschen ist, dass die Geschwister Tatjana und Olga, die sich aus ihrer ländlichen Langeweile heraussehnen, noch echte Backfische und auch Lenski und Onegin kaum ein paar Jahre älter sind.
An der Komischen Oper ist diese Atmosphäre eines «Jenseits von Eden» schon durch das Ensemble ganz gegenwärtig: Die Irin Sinead Mulhern sieht mit ihren großen traurigen Augen tatsächlich aus wie ein verträumtes Girlie; ihrer Bühnenschwester Hilke Andersen traut man zu, auf jeder Erstsemester-Fete die Tanzfläche unsicher zu machen; und auch den beiden Männern nimmt man die grünschnäbeligen Twens widerspruchslos ab. Matthias Klink, dessen liebenswert unbeholfener Lenski tief im Innersten eine uneingestandene Liebe zu Onegin birgt, und Gabriel Suovanen, der seinem Onegin eine gehörige Portion Kleinstadtrebellentum à la James Dean in die stolzgeschwellte Brust pumpt. Selbst Fürst Gremin, Tatjanas späterer Gatte, ist in dieser Jugendpartie nicht der übliche, in Ehren ergraute Hausbass, sondern ein braver Jungmanager mit Fielmann-Brille, dessen sonore Stimme ...
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Unter den Komponisten seiner Generation, die man historisch der «giovane scuola» zuordnet, war Francesco Cilea (1866-1950) schon zu Lebzeiten ein Außenseiter. Sein Nachruhm gründet sich auf eine einzige Oper, «Adriana Lecouvreur» (und auf die populäre Tenorarie «È la solita storia» aus «L’Arlesiana»). An «Gloria», sein letztes Bühnenwerk, hat er selbst nicht recht...
Wasser. Rings herum nichts als Wasser. Man darf sich das gar nicht vorstellen. Wie das wäre. Was man machen würde in dieser Sekunde, in der das Wasser hier unten, zirka zwölf Meter unter der Straße, durch die Mauern drückt, die Mauern niederreißt, alles, was da kreucht und fleucht, fortreißt in einem riesigen Schwall und man selbst fortgerissen wird von diesen...
Gut zwanzig Jahre nach seiner Emigration aus Deutschland besuchte Josef Tal mit seiner Frau Pola erstmals wieder seine ehemalige Heimatstadt Berlin: «Wir nahmen ein Taxi. Ich sperrte meine Augen weit auf – es wurde eine Geisterfahrt. Nach kurzer Zeit sagte ich zu Pola auf Hebräisch: ‹Du, der fährt uns spazieren, um eine größere Zeche rauszukriegen. Den Weg kenne...
