Prunk und Pragmatismus
Man könnte es mit Schiller erfragen: «Wie kommt mir solcher Glanz in meine Hütte?» Und sogleich die Antwort geben: indem sich Altes und Neues aufs Schönste miteinander verbinden. Bei der Renovierung der
PRAGER STAATSOPER, die am 5.
Januar, auf den Tag genau 132 Jahre nach der feierlichen Einweihung mit Richard Wagners «Meistersingern», mit einem Galakonzert unter Leitung des neuen Chefdirigenten Karl-Heinz Steffens wiedereröffnet wurde, war das der Fall: Neo-Rokoko, edelste Wandbespannungen und samtene Sitzpolster auf der einen, komfortable LED-Beleuchtung, Glasfaser und neueste Technologie auf der anderen Seite. Prunk und Pragmatismus geben sich glückhaft die Hand. Nun fehlt in dem Musentempel nur noch die Musiktheaterkunst selbst. Wir warten gespannt.
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Jürgen Otten
In ihrem dritten Solo-Album macht Regula Mühlemann auf «Heidi». Das fesche Coverfoto muss ironisch gemeint sein. Doch liest man Interviews mit der Sängerin, ist das alles andere als sicher. Da outet sich die aus dem Luzernischen stammende Sopranistin als «zu hundert Prozent authentisch» und verkündet, für sie sei Franz Schubert und das damit verbundene Bild der...
Mit den Clowns kommen die Keulen, drei an der Zahl. Fliegen in die Lüfte, stürzen hinab, springen aber wie von Geisterhand gehoben sogleich wieder in die Luft, unzählige Male, wie ein Perpetuum mobile, das sich dem wiegenden 6/8-Takt der Barcarolle anschmiegt, die so butterweich und süßlich kaum je zuvor durch den Graben gondelte, zwischen h-Moll und D-Dur hin und...
Ein Schuss in völliger Dunkelheit. Ein Aufschrei. Knall auf Fall sieht sich das Publikum in die Gegenwart verabschiedet, die sich prinzipiell nicht unterscheidet von dem Geschehen auf der Bühne. Auf der Place de Neuve wirkt zwar alles friedlich. Aber etwas weiter weg könnte man sich ein Theater, wie Heike Scheele es auf die Bühne des Grand Théâtre gebaut hat,...
