Literarische Liebe
Manchmal weiß man schon nach wenigen Sekunden, wie musikalisch ein Regisseur, eine Regisseurin ist. An diesem Abend in Magdeburg, der voller musikalischer Zweifel steckt, weil das von Alexander Steinitz geleitete Orchester einen rabenschwarzen Tag erwischt hat, genügt die Ouvertüre, um solches festzustellen. Vorne, vor dem noch geschlossenen Vorhang, sitzen Menschen auf Stühlen und warten: eine Situation wie aus einem Tschechow-Stück.
Die Ouvertüre, darin die Gattung dieser Oper («Lyrische Szenen») bereits beglaubigt wird, erzählt von den Sehnsüchten dieser wartenden Frauen, von der Vergeblichkeit dieser Sehnsucht. Ja, fast könnte man sagen: Diese Ouvertüre erzählt schon die ganze Geschichte.
Die Hoffnungs- und die Seufzermotive, die einander gegenüberstehen, gemahnen daran. Und Vera Nemirova lässt dies nicht ungeschehen an den Figuren vorüberziehen. Jedesmal, wenn das Hoffnungsmotiv aufscheint, ein aufsteigendes Melodiefragment, erheben sich die Frauen. Um sich, beinahe im gleichen Moment, wieder zu setzen, gemeinsam mit dem Erklingen des abwärts geführten Seufzermotivs. Die Grundtendenz des Abends ist damit konstituiert. Und wird – was der Spannung nicht abträglich ist – in den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Umberto Giordanos «La Gioconda» mag in puncto Unglaubwürdigkeit der Handlungsabläufe Verdis «Trovatore» oder «Forza» und so manche Barockoper weit übertreffen, uninszenierbar ist sie keineswegs. Aber zunächst einmal müsste der (Bühnen-)Raum stimmig sein. Schwarzes Gusseisen, venezianische Brückenlandschaften, triste Beleuchtung und Nebelschwaden erzeugen keine...
Her Master’s Voice» – das ist kein Wortspiel eines boshaften Journalisten, sondern ihre höchst eigene Erfindung. Elisabeth Schwarzkopf hat sich selbst so bezeichnet, und sie hat nie verschwiegen, wie sehr sie ihre künstlerische Entwicklung auch ihrem Ehemann Walter Legge verdankt, dem legendären Plattenproduzenten von His Master’s Voice, Columbia und EMI.
Und wie...
Diese Musik schwimmt auf leichter Welle, sie krault munter dahin, mitunter scheint sie zu schweben. Joan Albert Amargós’ «Orpheus und Eurydike»-Vertonung verbindet zwei Genres, die Oper und das Marionettentheater. Glücklicher hätte die Stoffauswahl kaum ausfallen können, um die Welten der konventionellen Oper mit ihrem klassischen Gesang auf der einen Seite und das...
