Aus ferner Zeit

Schwerin, Mozart: Don Giovanni

Opernwelt - Logo

Schwein oder nicht Schwein? Vor den Toren des Mecklenburgischen Staatstheaters in Schwerin ist die hamletisch angewehte Frage rasch geklärt. Ein Schweine­hund sei dieser Don Giovanni, den man sogleich erleben werde, befinden zwei Damen nach Durchsicht des (im Übrigen lesenswerten) Programmbuchs. Betritt wenig später Mikael Babajanyan in azurblauem Samtgewand (Kostüme: Corinna Cromme) die mit einer geschwungenen Treppe bebaute Drehbühne (Hartmut Schörghofer), dann mag man das kaum mehr glauben.

Ein Galan aus der Schule der Romantik steht dort, mit vollendet frisierter Mähne, männlicher Ausstrahlung und jenem schelmisch-selbstgewissen Grinsen, das nur der aufsetzt, der weiß, wie die Frauen ticken – und wie man sie herumkriegen kann.
Die Art und Weise, wie Babajanyan seinen Bariton stilsicher zwar, doch kaum textverständlich (gesungen wird auf Deutsch) durch die Partie führt, erinnert an überholte Interpretationsmuster. Da ist viel Vibrato, viel Schmelz, viel Timbre, doch wenig Filigranes, wenig Verschattung. Das wird in der In­szenierung von Axel Köhler, handwerklich gelungen und reich an Einfällen, umso deutlicher in dem Augenblick, wo Don Giovanni seinem Diener begegnet. An­dreas ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2007
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Korngold: Die tote Stadt

Drei wichtige Aufführungen von Korngolds «Toter Stadt» in jüngerer Zeit: Zü­rich 2003, Berlin 2004, Salzburg, ebenfalls 2004. Man kann das als Repertoire-Bestätigung für eine Oper werten, die nach ihrer als sensationell empfundenen Doppeluraufführung (1920) von neuer Sachlichkeit lange in die Ecke gedrückt wurde. Die bis heute kritisierte Holly­wood-Karriere des...

Im Schatten der Legenden

Mercadante ist ein seltener, aber doch regelmäßiger Gast auf unseren Spielplänen. Als vor zwei Jahren das Stadttheater Gießen an «Il giuramento» erinnerte, war in einem repräsentativen Feuilleton von «Kleinod» die Rede. Beim Label «Opera Rara» gibt es da­rüber hinaus Editionen wie «Mercadante rediscovered» oder «Soireés Italiennes». Seit Neuestem ist eine...

Wien und der Rest der Welt

Die Pressekonferenzen des derzeitigen Direktors der Wiener Staatsoper haben stets etwas von Kabarett. Ioan Holenders Kommentare zur österreichischen Kulturpolitik – etwa zum Ende März veröffentlichten neuen Kulturbudget – lassen an Schärfe nie zu wünschen übrig. «Zehn Millionen Mehrbedarf mindes­tens hat man ausgerechnet für alle drei Häuser, und jetzt sind es...