Zeremonien und Rituale
Der Big Apple liebt den Superlativ. Wer sich und seine Sache nicht in den höchsten Tönen anpreist, steht hier schnell im Abseits. Das Größte, das Glanzvollste, das Berühmteste muss es schon sein, wenn man die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erregen will. Auf dem Marktplatz New York zählt nun mal vor allem der grelle Pinselstrich, das blendende Breitwandformat.
Wie das gewinnbringende Zusammenspiel von Produkt und PR dort funktioniert, lässt sich am Beispiel der Metropolitan Opera studieren.
Seit Peter Gelb die Zügel in dem 3800-Plätze-Haus am Lincoln Center in der Hand hält, ist die alte Operntante gleichsam über Nacht wieder zu einem hot issue geworden. Die Premiere von «Madama Butterfly» in der Inszenierung des Hollywood-Regisseurs Anthony Minghella, mit der Gelb im September vergangenen Jahres die erste Saison seiner Amtszeit eröffnete (siehe OW 11/2006), hatte das Flair eines unverzichtbaren gesellschaftlichen Events: So viele (Film-) Stars und VIPs jedweder Provenienz waren schon lange nicht mehr in den Met-Foyers gesichtet worden. Zudem hatte der neue General Director eine Live-Übertragung der Aufführung auf den Times Square eingefädelt: Tausende New Yorker konnten ...
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Generationenwechsel im Fach der Hochdramatischen. Als die Zeit der großen Nachkriegsheroinen – der Varnay, der Mödl, der Nilsson – zu Ende ging, verkörperte sie in den siebziger und achtziger Jahren einen anderen Typ der Brünnhilde und der Isolde: Die Schwedin Catarina Ligendza gewann diesen Figuren ganz neue Aspekte von berührender Innigkeit und...
Dass der seit August 2006 amtierende Met-Chef Peter Gelb der mächtigste Opernmanager Amerikas ist, sieht man ihm nicht an. Meist steckt der schmächtige Mann in einem unauffälligen, leicht verknitterten schwarzen Anzug. Das schüttere Haar wird gewiss von keinem Star-Coiffeur gestylt, und auf der Nase sitzt auch keine Designerbrille. Gelbs Büro im Parterre des...
Eine Ausgrabung, die es in sich hat: Das Theater Hof präsentiert (als Koproduktion mit dem Vorpommerschen Theater Stralsund) die erst 1965 in Prag aufgefundene, 1995 in Bielefeld von John Dew uraufgeführte Oper «Der Sturz des Antichrist» von Viktor Ullmann. Der Komponist, der 1944 in Auschwitz ermordet wurde, bezeichnete das Werk, das er 1935 auf der Basis eines...
