Neunmalklug
Angeblich liegt Jules Massenets Oper «Hérodiade» Gustave Flauberts gleichnamige Erzählung zugrunde. Flaubert freilich hält sich in diesem Spätwerk genau an den biblischen Befund, wie ihn auch Strauss’ «Salome» in etwa wiedergibt.
Diese kurze Geschichte (bei Strauss reicht sie ja auch nur für einen Einakter) schien für eine Grand Opéra ein bisschen dürftig, und so plusterten die Librettisten Milliet und Grémont sie mit allerlei Intrigen auf: Salome und Herodias sind Rivalinnen, wissen aber voneinander zunächst nicht, dass sie Mutter und Tochter sind; die darob leicht neurotische Salome hängt mit schwärmerischer Liebe an dem Wanderprediger Johannes, wird ihrerseits aber von Herodes begehrt. Sie fordert auch nicht Johannes’ Kopf, fleht vielmehr um sein Leben. Als das fehlgeht, stürzt sie sich in mörderischer Absicht auf Herodias; als sie erfährt, dass diese ihre Mutter ist, tötet sie sich selbst.
Die ursprüngliche Geschichte verschwindet hinter solcherlei holzschnittartiger Opern-Kolportage. Zudem wird das Ganze mit breit ausgeführten Massenszenen im «orientalischen Stil» prächtig aufgezäumt. Man hat «Hérodiade» deswegen mit Verdis «Aida» verglichen: Während aber dort die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Ingo Dorfmüller
Das Schicksal des «Deutschen Miserere» von Bertolt Brecht und Paul Dessau ist denkwürdig. Umso mehr, da es erst jetzt, sieben Jahrzehnte nach seiner Entstehung, auf einer Opernbühne erscheint. Das packende Stück war als Oratorium gedacht, entstand während des Zweiten Weltkriegs im US-amerikanischen Exil, wurde aber erst 1966 in der DDR konzertant aufgeführt, 1989...
Frau Magee, in ein paar Wochen geben Sie Ihr Bühnendebüt als Salome. Haben Sie schon Bauchtanz geübt?
Bis jetzt nicht – obwohl ich den traditionellen Bauchtanz sehr feminin und sinnlich finde. Aber meine Erfahrungen mit Tanzunterricht bestehen im Wesentlichen aus einigen Ballettstunden. Obwohl ich Tanz sehr mag, wird aus mir sicher keine Tänzerin mehr.
Salome-Darste...
Herr Behle, mit Ihrer Aufnahme der «Schönen Müllerin» stellen Sie sich dem Vergleich mit den größten Liedinterpreten von Fritz Wunderlich bis Peter Schreier. So etwas macht man doch nur, wenn man glaubt, etwas ganz Eigenes zu diesem Zyklus zu sagen zu haben.
Dass es von mir bereits zwei Liedeinspielungen gibt, hat natürlich erstmal ganz praktische Gründe: Ein...
