Bürgerhölle
Ein letzter, hochhackig stöckelnder Gang über die Bühne. Kerzengerade, wie immer mit durchgedrücktem Rücken. Das plötzliche winzige Straucheln von Geneviève, das sofortige Rückerobern der Haltung verrät mehr, als ihr lieb ist und als sie sich sehend eingestehen will. Die Katastrophe ist nämlich längst da. Auf der Bühne kleine Schneewehen, in einer liegt der tote, halbnackte Pelléas, während Golaud eine Frau betrauert, die nicht allein wegen ihres knappen blauen Kleidchens noch nie in diese Großbürgerhölle zu passen schien.
Ein leises, schleichendes Unheil ist über diese Familie gekommen. Ein Schicksal, das sich ohne symbolistische Überwürze, ohne Regie-Strichliste aus der Tiefenpsychologie offenbart. Vor diesem Hintergrund ist Yona Kim am Theater Augsburg eine starke Aufführung von Debussys «Pelléas et Mélisande» gelungen. Interessanterweise mit einem Bühnenbildner, mit Christian Schmidt, der dasselbe Opus in Frankfurt mit Claus Guth vor eineinhalb Jahren in eben jenen befrachtenden Hypersymbolismus gleiten ließ.
Der Einheitsraum des Augsburger «Pelléas», ein karger Salon aus den Sechzigerjahren mit Chaiselongue, Tisch, Stühlen und schwer nach Wasser dürstender Zimmerpalme, ist ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Markus Thiel
Der Frage, wie es Wagner in Bayreuth zurzeit geht, nähert man sich am besten durch den Park der Villa Wahnfried. Weit kommt man nicht, den Weg versperrt ein Bauzaun, an dem ein Banner hängt. Darauf steht in hellgrauen Buchstaben: Bitte um Verständnis. Dahinter liegt das, was vom Park, wie man ihn kennt, übrig ist. Es ist nicht viel.
Im Sommer 2015 soll hier das...
Impressum
55. Jahrgang, Nr 5
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752267
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 11.04.2014
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
Erinnern Sie sich noch? An die Zeiten, als das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland nur aus dem Ersten, dem Zweiten und ein paar Regionalprogrammen bestand? Und Theater, Oper, Konzert noch einen Platz im (Spät-)Programm hatten? Wer das Neueste vom Tage nicht versäumen wollte, musste sich damals freilich an feste Sendezeiten halten. Als die Künste Anfang...
