Edle Einfalt, wenig Größe
Eine Gemeinschaftsproduktion von Oper und Ballett. Für Christian Spuck, den renommierten Hauschoreografen des Stuttgarter Balletts, ist der Weg des Orpheus, wie ihn Glucks Musik erzählt, eine Jenseitsreise, eine Initiation, die den thrakischen Sänger bei seinem Versuch, seine tote Geliebte wiederzugewinnen, über die Erde hinaus in die Unterwelt und ins Elysium führt. Das gedankliche Konstrukt einer traumhaft-surrealen Deutung, das der Aufführung zugrunde liegt, trägt deutlich die Handschrift des Dramaturgen Sergio Morabito.
Aber auch hier gilt: Die Qualität des Essens beweist sich, wenn es auf den Tisch kommt, mag sich das Rezept noch so überzeugend lesen.
Und hier hapert es in Stuttgart. Das beginnt beim Bühnenbild von Christian Schmidt, einem weiß gekalkten, heruntergekommenen Ballsaal, der nach hinten mit einer kleinen Bühne abschließt – ein praktikabler Raum, aber anders als die Räume Anna Viebrocks, die hier Pate standen, ohne jedes Geheimnis. Von des Gedankens Blässe angekränkelt bleibt auch Spucks Regie. Zwar lockert er die Chor-Tableaus immer wieder geschickt mit Aktionen auf, kann aber je länger der Abend dauert desto weniger verbergen, dass eine psychologische ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die bislang zum Jubiläumsjahr erschienene Händel-Literatur war von einem eklatanten Missverhältnis gekennzeichnet: Während eine ganze Schar von Autoren sich mit der mehr oder weniger blumigen Nacherzählung von Händels Leben beschäftigte, fehlte bislang ein Werk, das den akkumulierten Kenntnisstand von Händelforschung und -aufführungspraxis nutzt, um auch einem...
Das Jahr 2009 ist ein Jahr der Komponistenjubiläen – man denke nur an Henry Purcell, Georg Friedrich Händel, Joseph Haydn und Felix Mendelssohn Bartholdy. Das Interesse an dem vor 50 Jahren verstorbenen Tschechen Bohuslav Martinu freilich hält sich noch immer in engen Grenzen. Dabei weist Martinus umfangreiches Werkverzeichnis allein 14 Opern auf; einige sind...
Das alte Rigaer Stadttheater steht noch. Hier war Richard Wagner von 1837 bis 1839 Kapellmeister, gastierten Clara Schumann, Liszt, Berlioz und Anton Rubinstein auf der Reise nach St. Petersburg. Der in die engen Häuserzeilen der Altstadt gezwängte Theatersaal stürzte jedoch bei einer «Dame blanche» ein und wurde 1863 durch ein großzügiges neues Haus am Stadtrand...
