Glass: Galileo Galilei
Da hat einer das Teleskop erfunden, um die Sterne der Welt zu ergründen, und ist am Ende seines Lebens blind. «Habe ich zu viel gekniet oder zu wenig», fragt sich Galileo Galilei. Wurde er von Gott gestraft, weil er seine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse vor der kirchlichen Inquisition widerrief oder weil er tatsächlich Gott gelästert hat durch seine Einblicke in den Kosmos?
Für den amerikanischen Komponisten Philip Glass war diese Frage der Ausgangspunkt für seine Kammeroper «Galileo Galilei» von 2002.
Ausstatter Hartmut Schörghofer hat für die deutsche Erstaufführung im Kleinen Haus des Staatstheaters Braunschweig die Sonne auf die Bühne geholt: eine raumfüllende Goldkugel, die anfangs bedrohlich auf den alten Galileo zurollt und in der rückwärts erzählten Biografie immer wieder die Raumwirkung ändert. Regisseur G. H. Seebach bemüht sich so um psychologische Vertiefung und kosmische Weitung der von Glass eher oberflächlich aneinander gereihten Lebensstationen. Die Parallelen zur McCarthy-Zeit oder heutigem Fundamentalismus haben den Komponisten nicht interessiert, und Seebach pfropft sie ihm nicht auf.
So wird's in Braunschweig in den besten Momenten ein Zauberstück, das zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Alle Jahre wieder, am 7. Dezember, dem Tag des Mailänder Stadtheiligen Ambrosius, wird die Saison des Teatro alla Scala feierlich eröffnet. Die «Inaugurazione» ist – auch wenn der Saisonbeginn in den letzten Jahren durch Aufführungen im Herbst, die noch der jeweils vorangegangenen Spielzeit zugeordnet werden, etwas verwischt wird – ein gesellschaftliches Ereignis...
Dass Großbritannien ein Paradies für Exzentriker jedweder Couleur sei, ist keineswegs bloß ein wohlfeiles Klischee. Wohl in keinem zweiten Land der Alten Welt werden private Marotten, bizarre Gebräuche und Umständlichkeiten im öffentlichen Leben mit einer so weitherzigen, selbstverständlichen Toleranz bedacht (und zum Gegenstand eines erfrischend selbstironischen...
An der Wiederentdeckung des Opernkomponisten Antonio Vivaldi hat «Orlando Furioso» gewichtigen Anteil: Die weltweit ausgestrahlte szenische Produktion dieser Oper anlässlich des Vivaldi-Jahres 1978 mit Marilyn Horne in der Titelrolle machte ein breites Publikum erstmalig darauf aufmerksam, dass Händel nicht der einzige Barockkomponist gewesen ist, der Opern...
