Heutige Heldinnen
Eingekürzte «Zauberflöten» oder Kinderfassungen des «Freischütz» sind ja ganz nett. Aber den gewachsenen Ansprüchen an die Kinderoper genügen sie nicht. Und Humperdincks «Hänsel und Gretel» erscheinen doch langsam – pardon, das ist nicht hexenfeindlich gemeint – ein wenig ausgebrannt. Neue Stücke müssen her. Stücke, die den Zeitgeist treffen und einem jungen Publikum, oft aus opernunerfahrenem Elternhaus, die Faszination des Musiktheaters vermitteln. Die Kunst bieten, nicht bloß Pädagogik.
Aber das kostet.
Deshalb haben sich die Deutsche Oper am Rhein (Düsseldorf und Duisburg) sowie die Theater in Bonn und Dortmund zusammengeschlossen, um jedes Jahr einen Kompositionsauftrag zu vergeben und die Produktion dann von Haus zu Haus touren zu lassen.
Der neueste Streich: die Duisburger Uraufführung von «Ronja Räubertochter», einem Stück von Jörn Arnecke nach Astrid Lindgren. Die Premiere: eine Schulvorstellung um 11 Uhr vormittags. Noch fünf Minuten vor Beginn geht es hoch her, Kinder quietschen, schnattern, brüllen und lassen überhaupt ordentlich Dampf ab – um dann zwei Stunden lang (unterbrochen von einer Pause) ganz konzentriert zu lauschen. Nur ganz selten hört man eine Lehrerin ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Magazin, Seite 80
von Stefan Keim
Wenn die Herrichtung von «Tristan und Isolde» an der Opéra national du Rhin in Straßburg und Mulhouse jemanden in den Wahnsinn getrieben hat, ist uns das nicht bekannt. Wer ihr ein Lob des Maßes nachsagen wollte, begäbe sich aber gleichfalls auf schwankenden Boden. Denn: Welches andere Musiktheaterwerk überschreitet so mutwillig und aggressiv jede Grenze...
Die Buhrufe am Ende des Premierenabends bleiben unverständlich. Vergessen offenbar, dass die Berliner Staatsoper und ihr Publikum dem Russen Dmitri Tcherniakov so glänzende Inszenierungen wie Rimsky-Korsakows «Zarenbraut» oder Prokofjews «Spieler» verdanken. Berlins Wagnerianer zielten mit dem Protest gewiss auf den Regisseur, aber auch auf den Dirigenten – just...
Eine «Schwalbe» ist in der Fußballwelt die Vortäuschung einer vom Gegner verursachten Körperverletzung – vom Schiedsrichter zu bestrafen. Die kleine Tragikomödie auf dem Rasen. In der Welt der Opernbretter lässt «Die Schwalbe» mehr an eine Halluzination als an Täuschung denken, an ein Trugbild. Denn auf deutschen Bühnen wird «La Rondine» nur selten gespielt, anders...
