Graue Mäuse gibt es ja schon genug
Die Nachrichten auf einem amerikanischen Internet-Musikforum überschlagen sich: Eine mittelschwere Sensation muss sich ereignet haben. Eine deutsche Sängerin war in der Carnegie Hall mit Andrea Marcons Vivaldi-Projekt «Andromeda liberata» zu Gast – und sie hat reihenweise Opernfans den Kopf verdreht. Mit dem Namen konnten die meisten zuvor nichts anfangen: Simone wer? Egal: Sogleich folgte die Einladung für ein Solokonzert im kommenden Februar.
Die gleiche Reaktion ein paar Tausend Kilometer östlich: Ihre erste Donna Anna in Moskau wird ein Ausnahmeerfolg – und prompt folgt eine Einladung für zwei Opernkonzerte als einzige Solistin – eine seltene Ehre.
Hierzulande ist Simone Kermes natürlich längst keine Unbekannte mehr. Schon zwei Schubladen hat die Presse für sie gefunden: «Primadonna der Alten Musik» ist die erfreuliche erste, «sopranistisches Pulverfass» die möglicherweise doppeldeutige zweite. Unter den jüngeren deutschen Sängerinnen ist wohl keine in den vergangenen Jahren so umfangreich auf CD verewigt wie sie: Viele Händel-Gesamtaufnahmen, dazu reihenweise Konzert – jede Menge Kermes in den Plattenläden. «O ja, schrecklich!», meint die Sängerin dazu, und das ist kein ...
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Die Wiener Staatsoper sei kein Haus wie jedes andere, meint Direktor Ioan Holender im Booklet dieser Aufnahmen. Unbestritten – wenngleich zwischen den Zeilen von Holenders Statement jene Führungsrolle mitschwingt, die Wien in der Musik- und Opernwelt gern beansprucht, die man aber in Berlin, London, Mailand, New York, Paris, auch München wahrscheinlich nicht...
Verdis «Simon Boccanegra», ein Meisterwerk, war in Berlin seit über zwanzig Jahren nicht zu sehen. Weder Giancarlo del Monacos Vorgängerinszenierung (unter Giuseppe Sinopoli) noch Claudio Abbados konzertanter Einsatz mit den Berliner Philharmonikern konnte dem Werk dauerhaft nützen. Lorenzo Fioroni, der bisher in Münster und Kassel hervorgetreten ist, inszeniert...
Andreas Homokis Komische Oper Berlin gibt sich konsequent realistisch: Eugen Onegin als Jungschnösel der Generation Golf, Mozarts Serail als Metropolen-Bordell, Mahagonny als Ballermann-Disco, Sarastros Feuer-/Wasserprobe als Jungle Camp... In seinen Grundsätzen, reale Menschen und Erfahrungen in den Mittelpunkt zu stellen, beruft sich das seit drei Jahren neu...
