Naturbegabung und Kunstverstand
Als Octavian, als Cherubino, als Komponist in «Ariadne» war sie nahezu unschlagbar, auch in ihren Sopranpartien hatte sie wenig Konkurrenz zu fürchten: Sena Jurinac, eine der großen Sängerpersönlichkeiten der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Privat allerdings hat sie, trotz ihrer Welterfolge, nie viel Wesens um sich gemacht. Einfach, bescheiden und natürlich, fern allen Primadonnengehabes, trat sie in der Öffentlichkeit auf.
Etwa beim Künstlertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft in Ölbronn-Dürrn, das sie, eine freundliche alte Dame mit gepflegtem weißen Haar, mit ihrem Mann, dem Augsburger Chirurgen Josef Lederle, jahrelang besuchte. Ein stilles, in sich ruhendes Paar, er rührend um sie besorgt, sie sich willig seiner Führung anvertrauend. Jetzt ist Sena Jurinac nach schwerer Krankheit im einige Wochen zuvor erreichten Alter von 90 Jahren in ihrem Haus in Augsburg gestorben.
Als blutjunge Sängerin war sie, nach einer kurzen Anfängerzeit am Nationaltheater Zagreb (1942-1944), durch ein Vorsingen bei Karl Böhm an die Wiener Staatsoper gekommen – ein Haus, dem sie ein Leben lang verbunden blieb und an dem sie – wie die dortige Dramaturgie errechnete – in 1268 Aufführungen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Erinnerung, Seite 65
von Gerhart Asche
Nicht Amiens – Paris – Le Havre – Amerika. In Freiburg begibt Puccinis Oper «Manon Lescaut» sich in Innere der Titelheldin. Ihre Gestalter(innen) sprechen denn auch von inneren Ortswechseln, von ihren «Seelenzuständen». Und solange Yona Kims Inszenierung diese fest im Blick behält, hat auch Manons von der Liebe kaum gebremste Jagd nach Luxus, haben auch ihre Reue...
Der Anlass war ein rauschendes Fest. Zum letzten Mal sollte Alessandro Scarlatti die Feder für ein dramatisches Werk führen. Uraufgeführt wurde seine «Erminia», eine Serenata für vier Stimmen, am 20. Juni 1723 in Neapel. Und zwar im Rahmen der Hochzeits-feierlichkeiten für Ferdinando Colonna, Prinz von Stigliano, und seine Angetraute Maria Luisa Caracciolo di...
Tapsig sucht Hermann, ein Bär von einem Mann, sich dem Ballett mit ein paar Tanzschritten anzubiedern. Klar, dass das schiefgeht und der Sonderling von der hasenohrigen Petersburger Gesellschaft mit beißendem Spott übergossen wird. Da dreht er durch: «Ihr seid wohl verrückt geworden, mit eurem ganzen Scheißgeld so eine bescheuerte Musik zu machen: ‹Die standhafte...
