Der kanadische Orpheus
Der Ruhm des französischen Komponisten Henri Duparc beruht – ein einzigartiger Fall in der Geschichte der Musik – auf vierzehn Liedern. Die eindringlichste Aufnahme dieser Mélodies hat Léopold Simoneau hinterlassen. Eine davon trägt den Titel «Élégie». Es ist eine Totenklage. Der erste Vers lautet: «Oh! ne murmurez-pas son nom! qu’il dorme dans l’ombre.» («Oh, haucht nicht seinen Namen, lass ihn ruhen im Schatten»).
In der zweiten Strophe folgt der tröstliche Gedanke, dass die Tränen, die um den Toten vergossen werden, die Erinnerung an ihn frisch und grün halten – Chiffre für einen Elegiker, der zu den Unvergesslichen gehört, auch wenn es zu wenige sind, die ihn nicht vergessen haben: der kanadische Tenor Léopold Simoneau. Es ist symbolhaft, dass ihm mit der Rolle von Christoph Willibald Glucks Orphée in der Aufnahme unter Hans Rosbaud sein sängerisches Meisterstück geglückt ist. Er ist kein feuriger Held. Seine Darstellung hat Noblesse und zeichnet sich aus durch das Pathos der Distanz. Die Formung seiner Phrasen ist von apollinischer Schönheit.
Léopold Simoneaus Stimme war schlank, seidig-fein und silbrig glänzend, reich an changierenden Farben, strömend im Legato, geradezu ...
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