Rimsky-Korsakow: Der goldene Hahn
Märchenoper oder politische Parabel? Man ist sich weitgehend einig, dass Rimsky-Korsakow mit der Geschichte vom selbstherrlichen König Dodon das zaristische System seiner Zeit treffen wollte.
Aber lässt sich das Werk deshalb so mir nichts, dir nichts auf jede andere Regierung übertragen? Andreas Baesler hat in Oldenburg sein Inszenierungskonzept auf die Kanzlerschaft Gerhard Schröders ausgerichtet – und ist dabei vom bundesdeutschen Regierungswechsel im vergangenen Herbst kalt erwischt worden: Denn seine Figurengleichsetzungen (Dodon in Schröder-Maske, die Zarensöhne als Joschka Fischer und Westerwelle, General Polkan als Müntefering mit rotem Schal) sind mittlerweile Schnee von gestern, sind heute genau so wenig aktuell wie die Originalgestalten des Librettos, bei denen er es deshalb auch hätte belassen können.
Stattdessen veranstaltet Baesler ein wenig originelles Polit-Kabarett mit handfesten Kontroversen im Sitzungssaal unter blessiertem Bundesadler, mit Demonstrationen und getürkten Fernseherklärungen, mit Papparazzi und liebestoller Sekretärin. All das bringt nichts weiter, als dass dem Zuschauer enge Denkvorgaben gemacht werden, weil man ihm offensichtlich nicht ...
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