Editorial der Ausgabe April 2011
Normalerweise stehen Nachrufe im Magazin-Teil der «Opernwelt». Wenn sie auf Seite 1 auftauchen, hat das Gründe. So wie jetzt, wo wir an Claus Helmut Drese und Wolfram Schwinger erinnern: zwei Opernchefs von Format, die wenige Tage hintereinander im Februar 2011 gestorben sind; zwei Integrationsfiguren, die ihren Häusern neues Profil gaben, ohne sich dabei in den Mittelpunkt zu spielen. Beiden wurde dafür umso übler mitgespielt. Beide mussten erleben, wie Weitsicht, Innovationswille und der kritische Umgang mit der sogenannten Tradition im Opernbetrieb auf Neider und Widerstand stoßen.
Für beide war in diesem Sinn 1991 ein Schicksalsjahr. Beide waren, das nicht zuletzt, dieser Zeitschrift verbunden.
Wolfram Schwinger gehörte zu den Männern der ersten Stunde, als «Opernwelt» sich Anfang der sechziger Jahre etablierte. Er stammte aus Dresden (Jahrgang 1928), promovierte 1954 in Berlin und schrieb als junger Mann eine mehrfach nachgedruckte Gershwin-Biografie. Als Musikkritiker kam er über Hannover 1964 zur «Stuttgarter Zeitung» – eine Stelle, die zuvor Carl Dahlhaus innegehabt hatte. Musikvermittler ist er Zeit seines Lebens geblieben, im Alter noch mit Radiosendungen, bei denen seine ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann
Längst hat die Musikwissenschaft das Musiktheater der Gegenwart als lohnendes Forschungsobjekt entdeckt. Das umfangreiche Buch von Claudia di Luzio ist schon die zweite Dissertation zu den Bühnenwerken von Luciano Berio (nach Ute Brüdermann, «Das Musiktheater von Luciano Berio», Frankfurt/M., Peter Lang 2007). Beide Autorinnen haben wesentlich dieselben Quellen...
Tschaikowskys «Eugen Onegin» verlangt eine genaue Kenntnis der sozialen, psychologischen, gesellschaftlichen und politischen Lebensbedingungen der Menschen um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Russland. Verloren in den Weiten eines unendlichen Landes, Rückständigkeit bei der anderswo rasch sich entwickelnden Industrialisierung, Sehnsucht nach einer fernen Welt...
«Es gibt Schriftsteller, die schon in zwanzig Seiten ausdrücken können, wozu ich manchmal sogar zwei Zeilen brauche», ätzte Karl Kraus. Jeder Schreibende mag sich bei dieser Attacke zunächst an die eigene Nase fassen. Doch nirgendwo passt sie treffender als auf die Autobiografien prominenter Mitbürger, wo Geschwätzigkeit oft als klug-charmante Plauderei verkauft...
