Rätselhaft anrührend

Renzini/A. Scarlatti: Love, you son of a bitch
Berlin | Staatsoper | Alter Orchesterprobensaal

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In der Berliner Staatsoper sieht man fast nur noch belanglos-dekorative Produktionen. Im Alten Orchesterprobensaal dagegen, Ort für kleinere Projekte, schießt man oft übers Ziel hinaus: Hier wird auf eine Weise experimentiert, dass man sich vor allem mit Rätseln konfrontiert sieht, mit einem Überschuss an Absichten, die szenisch selten genügend Schlagkraft entwickeln.

Anlässlich seiner Barocktage hatte das Haus nun bei der Multimedia-Künstlerin Letizia Renzini im Zusammenhang mit der Berliner Premiere von Alessandro Scarlattis (an der koproduzierenden Opéra national de Paris bereits gezeigtem) «Il primo omicidio» eine Arbeit zu dem Komponisten in Auftrag gegeben: «Love, you son of a bitch». Tatsächlich gibt es von Scarlatti eine Kantate, in der die Liebe als Hurensohn bezeichnet wird, quasi als Prolog zu einer Klage über unerwiderte Gefühle. Das Übliche also. Und üblich ist auch, was Renzini als Thema ihres Projekts benennt: Liebe in Zeiten des Kapitalismus, des quantifizierten, um Optimierung bestrebten Selbst, der marktförmigen Erotik – Topoi, die Eva Illouz in ihren Büchern um einiges intensiver bearbeitet hat, als es einem gut einstündigen Musiktheaterprojekt möglich ist.

Betra ...

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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Peter Uehling

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