Britten: The Turn of the Screw

Kiel

Opernwelt - Logo

Geistergeschichte oder Psychodrama? Genau wie Britten diese Frage offen lässt, versucht auch Kiels Intendant Daniel Karasek in seiner Inszenierung der Kammer­oper «The Turn of the Screw» keineswegs, eindeutige Antworten zu finden. Er erzählt das Stück ehrlich, dabei immer nah an der Musik, in klaren Bildern. Statt komplett ausgestatteter Bühnenräume stellt Norbert Ziermann zeichenhafte Versatzstücke auf die Szene – ein Baumgerippe, ein Grabkreuz, ein Pult, ein überdimensionales Gemälde.

Ein eher sachlich wirkendes Ambiente, in dem sich die Menschen, nach der strengen viktorianischen Mode gekleidet (Kostüme: Claudia Spielmann), fremd und verloren ausnehmen.
Der Einbruch des Unheimlichen erfolgt ohne Bühnentricks, konzentriert vor allem auf die Geistererscheinung des verstorbenen Hausdieners Peter Quint, der sein Opfer, den Knaben Miles, wie ein Hypnotiseur umtänzelt: Dämon, Kobold, Magier in einer Person, von schillernd verlockender Körperlichkeit. Johannes An spielt das mit artistischem Können aus, punktgenau in der Choreografie. Fast allerdings wäre die Premiere an seiner plötzlichen stimmlichen Indisposition gescheitert. Retter in der Not war der Isländer Finnur Bjarnason, der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2007
Rubrik: Kurz Berichtet, Seite 51
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Walhall des 21. Jahrhunderts

Riesenvogel, Raubfisch, Raumschiff. San­tiago Calatravas futuristischer Opernbau in Valencia weckt viele Assoziationen. Die schwebende, spektakulär aufgebrochene Kubatur, die kühn geschwungenen, scheinbar alle Gesetze der Statik außer Kraft setzenden Formen des «Pa­lau de Les Arts Reina Sofia» dokumentieren nicht nur die Möglichkeiten einer Architektur, die sich...

Editorial

Die französische Sopranistin Sylvie Valayre erzählt im Interview dieses Heftes eine Geschichte, die man erfinden müsste, wenn sie nicht passiert wäre. Sie sang an einem großen deutschen Opernhaus eine französische Arie vor. Natürlich in Originalsprache. Ein Assistent des (im Dunkeln anwesenden) Generalmusik­direktors kam hinter die Bühne und erklärte der Sängerin,...

Hörtheater

Das Grauen nistet meist dort, wo wir es am wenigsten vermuten. Zwischen den Grashalmen eines Vorstadtgartens. Oder in einer Yuppie-Wohnung. Plötzlich ist es da, und niemand kann sagen, woher es gekommen ist. Das verwesende, von Ungeziefer befallene Ohr, das Jeffrey in «Blue Velvet» auf dem Rasen findet. Die privaten Videos, die Renée und Fred in «Lost Highway»...