Freiheit statt Motorik
Krieg und Gewalt sind feste thematische Größen im mittlerweile über zwanzig Titel umfassenden Bühnenwerkkatalog von Philip Glass. Ersterer prägt zahlreiche Opern von «The Civil Wars» bis «Appomattox», Letztere insbesondere «Waiting for the Barbarians» und die jetzt erstmals eingespielte Kammeroper «In the Penal Colony». Diese Arbeit für zwei Sänger und Streichquintett auf ein Libretto von Rudolph Wurlitzer wurde 2000 vom Contemporary Theater in Seattle uraufgeführt, die Aufnahme basiert auf einer Produktion des Music Theatre Wales.
«In der Strafkolonie» basiert auf der gleichnamigen Erzählung von Franz Kafka: Ein zum Tode Verurteiler soll hingerichtet werden. Vollstrecken soll das Urteil ein Offizier, der die traditionelle Weise, etwas zu tun, als die einzig richtige ansieht. Der neue Kommandant der Strafkolonie hat aber angeordnet, dass die Hinrichtung von einem Besucher beobachtet werden soll. Der Offizier beschreibt nun dem Besucher die Hinrichtungsmaschine, wobei sich die Methode als die denkbar schrecklichste herausstellt. Er glaubt aber an diese Methode, weil er ihr die Kraft zuschreibt, dem Opfer sein Verbechen verständlich zu machen, ihm die Falschheit seines Tuns vor Augen ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Bücher, Seite 22
von Jörg Hillebrand
Der Musikwissenschaftler Richard Taruskin hat Nikolai Rimsky-Korsakows vorletzte, ein Jahr vor seinem Tod 1907 uraufgeführte Oper «Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch und der Jungfrau Fewronija» als «eine Art Testament» bezeichnet. Dmitri Tcherniakov erlöst das Werk aus der verbiegenden Heiligsprechung eines russischen «Parsifal» und holt es in seiner...
1590 wurde ein Komponist zum Mörder: Carlo Gesualdo di Venosa war zu Ohren gekommen, dass seine Frau ihn betrüge. Er täuschte einen Jagdausflug vor, erwischte sie mit ihrem Liebhaber in flagranti und tötete beide.
Siebzig Jahre nach dem Doppelmord stilisierte der Librettist Giacinto Andrea Cicognini das Geschehen zu einer 46 Szenen umfassenden «opera tragica». Und...
In Jürgen Flimms kurzer und kompromissreicher Salzburger Festspielintendanz war es einer der wenigen Lichtblicke: Luigi Nonos so inniges wie monumentales Revolutions-Requiem «Al gran sole carico d’amore», von der Britin Katie Mitchell 2009 in die Felsenreitschule gewuchtet. Von einer «Sensation» schrieb damals «Die Zeit», die «Süddeutsche» war «begeistert», und die...
