Masken und Musik
Carlo Gozzi macht es heutigen Lesern nicht gerade leicht, ihn zu mögen: Er war nicht nur stockkonservativ, er wusste auch alles besser. Neuerungen waren ihm suspekt: Die italienische Literatur (so schreibt er in seinen Memoiren, denen er den koketten Titel «Unnütze Erinnerungen» gibt) «wurde durch verdrehte, ehrgeizige Fanatiker, die heutzutage um jeden Preis für Originale gelten wollten, verderbt und ruiniert. Diese Ketzer predigen gegen die ehrwürdigen Väter der italienischen Literatur und suchen unsere Jugend der Pflege der Tradition und der Einfachheit abtrünnig zu machen.
»
Das ist zumindest eine grobe Vereinfachung, und seit uns mit dem Glauben an überzeitlich gültige ästhetische Normen auch der klassische Kanon weitgehend abhanden gekommen ist, geht solche Schwarzmalerei den meisten Lesern auf die Nerven. Gozzi kämpfte auf verlorenem Posten: Die Ideen der Aufklärung, die er von Venedig fernzuhalten suchte, sollten zur Grundlage der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts werden; und in der Geschichte des italienischen Theaters hat der Realismus seines Kontrahenten Carlo Goldoni viel markantere Spuren hinterlassen als Gozzis Märchen- und Maskenspiele.
Während seines ...
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