Wuchtiges Oratorium
Manchmal sind Inhaltsangaben im Programmheft unverzichtbar. Wie im Fall des Freiburger «Simon Boccanegra». Und manchmal stiften sie nur Verwirrung. Wie im Fall des Freiburger «Simon Boccanegra». Beides ist auf die Inszenierung von Marcus Lobbes zurückzuführen, der mit seiner Variante von Kagels «Der mündliche Verrat» zum Freiburger Spielzeitauftakt die Rituale des Theaterbetriebs höchst originell – und okkult – ins Visier genommen hatte. Dieses Mal versagt seine Originalität.
Ein Einheitsraum (Bühne: Dirk Becker), Dekonstruktion der Stückdramaturgie und ein konsequentes Negieren von Verdis musikalischer Affektsprache sind die Insignien dieser Deutung. Ein Traumspiel? Vielleicht. Eine Vermittlung der Konzeption bleiben Regie und Dramaturgie (Dominica Volkert) gleichermaßen schuldig.
Erkennbar ist nur so viel: Boccanegras Gifttrank markiert die Peripetie der Aufführung. Zuvor ereignet sich das Geschehen in den bunten, originellen Kostümen Victoria Behrs, die jedem Fantasy-Film zur Ehre gereichten. Danach tragen alle Zivil – schwarze Gegenwartskleidung. Oratorisch bleibt die Regie, der man mit etwas bösem Willen den Tatbestand groben Unfugs unterstellen könnte, allemal.
Was der ...
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Das Drum und Dran sorgte einmal mehr für ebenso viel Gesprächsstoff wie die Aufführung selbst: Kaum war die Premiere von Glucks «Iphigénie en Aulide» mit Riccardo Muti am Pult über die Bühne gegangen, drohten die Gewerkschaften mit Streiks für die weitere Serie (ohne die Drohung letztlich wahr zu machen). Denn das Kulturministerium, das Italiens Opernhäusern...
Wenn es um Visionen geht, um die Kraft der Vorstellung von etwas, das nicht ist, aber sein könnte und vielleicht auch sein müsste, dann wird es oft schwierig. Träumen ist etwas anderes. Planen auch. Das Dazwischen sagt viel über innere Kraft, über geistige Größe, über Kommunikationsfähigkeit, den Blick in die Zukunft und einen Realitätsbezug, der vom eigenen Ich...
Das ganze Drama, die ganze Tragik steckt in drei Takten. Wenn man den Sextaufschwung und den fallenden Sekundschritt abzieht, mit denen die Celli, pianissimo, auf jenen berühmten Akkord hinleiten, den Wagner ins Zentrum seiner symphonisch flutenden «Handlung in drei Aufzügen» stellt, sind es sogar nur zwei Takte, die gleich zu Beginn das fatale Glück Tristans und...
