Kontraste

Leoncavallo: I Pagliacci
Bartók: Herzog Blaubarts Burg
Leipzig | Oper

Opernwelt - Logo

Seit über 100 Jahren bilden Leoncavallos «Pagliacci» und Mascagnis «Cavalleria rusticana« auf der Opernbühne eine Schicksalsgemeinschaft, so selbstverständlich, dass selten mal jemand darüber nachdenkt, ob das überhaupt stimmig ist. Leipzigs Chefdramaturg Christian Geltinger tat es nun – und kam zu dem überraschend naheliegenden Schluss, dass sich beide Stücke aufgrund ihrer Ähnlichkeit in Stil und Stoff gegenseitig neutralisieren, wenn nicht gar erschlagen.

Weshalb jetzt in Leipzig «I Pagliacci» mit Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» zusammengespannt wurde, einem auf den ersten Blick völlig inkompatiblen Werk. Auf den zweiten existieren durchaus zarte Ähnlichkeiten: Beide Einakter werden mit einem Prolog eingeleitet (was sie als Stück im Stück kenntlich macht), hier wie dort tobt der Geschlechterkampf, will sich eine Frau befreien von den Banden ihrer Herkunft.

Philipp J. Neumann inszeniert nur den ersten Teil, «Blaubart». Eine Waschmaschine grüßt vom Proszenium, Sinnbild jener häuslichen Hölle, der Judith zu entfliehen sucht, indem sie Blaubart folgt. Dessen Burg erscheint bei Neumann, der sein eigener Bühnenbildner ist, als von isländischen Landschaften inspirierter, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Udo Badelt

Weitere Beiträge
Frei sein

Frau Crebassa, Mozarts Sesto ist in letzter Zeit zu einer Ihrer wichtigsten Rollen geworden. Sie haben die Partie 2017 in der Salzburger Neuproduktion von «La clemenza di Tito» unter Teodor Currentzis gesungen, wenige Monate später in einer von Dan Ettinger geleiteten Wiederaufnahme der Willy Decker-Produktion im Pariser Palais Garnier. Waren das, musikalisch...

Großes Kino

Vielleicht lag es an der Komplexität der Partitur, vielleicht am Zeitpunkt der Pariser Uraufführung 1936, wenige Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg. Vielleicht lag es aber daran, dass Georges Enescu nicht die Bedeutung zukam, die er als Komponist verdient hätte. «Oedipe» jedenfalls, seine einzige Oper, schaffte es nie in den Kanon. In Deutschland wurde das Werk erst...

Parodie pur

Shakespeare passt immer, und die internationale Gesellschaft, die eigentlich zur Krönung von Charles X. Philippe nach Reims will, könnte auch Richard den Dritten zitieren: «A horse! A horse! My kingdom for a horse!» Vielleicht nicht gleich ein ganzes Königreich, aber doch anständige Summen würden die in Plombières-les-Bains gestrandeten Herrschaften für Gäule...