Damenwahl
Vor der Bescherung eine Rüge. «Singen kommt von Sagen», mahnte der Jury-Vorsitzender Robert Holl und erinnerte damit an Wagners Satz, dass Singen die «leidenschaftliche Form des Sprechens» sei. Textverständlichkeit war von den Opernlegenden (neben Holl unter anderem Anja Silja, Gabriele Schnaut und Thomas Moser) im Finale des Münchner ARD-Wettbewerbs vermisst worden, anderes offenkundig weniger. Etwa präzise Intonation oder Phrasen, die entspannt auf dem Atem liegen und nicht durch Druck erkauft werden.
Nur so lässt sich der überraschende erste Preis für die US-Amerikanerin Emalie Savoy erklären. Eine Jugendlich-Dramatische mit starker, gewinnender Ausstrahlung. Auch mit Selbstbewusstsein und genauen Rollenvorstellungen. Doch der 30-Jährigen unterliefen bei Agathes «Leise, leise» und im «Dove sono» ungesund übersteuerte, nicht einwandfrei kontrollierte Passagen, sicher auch aus Nervosität, das tiefere Mondlied aus «Rusalka» kam ihr da noch entgegen.
Ausgeglichener, souveräner führte Sooyeon Lee aus Südkorea Händels «Rejoice», Verdis «Caro nome» und Mozarts «O zittre nicht» vor. Keine Note klang nach Verzierungsautomat, alles war weich gefasst, genau überlegt und stilistisch klug ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Markus Thiel
Zwei Erhabenheitsbilder stehen für das angebliche Wesen der Musik: der mythische Sänger Orpheus und die Heilige Cäcilie, entrückt an der Orgel. Rein, veredelnd soll die wahre Tonkunst sein, alles Irdische, Materielle, Animalische transzendieren. Demgegenüber reagierte Schumann auf das Unisono-Finale der b-Moll-Sonate des von ihm bewunderten Chopin ratlos lapidar:...
In Winrich Hopp, dem künstlerischen Kopf der Münchner musica viva-Konzerte und des Berliner Musikfestes, hat das Werk Karlheinz Stockhausens seinen heute wohl energischsten unabhängigen Fürsprecher. Unabhängig deshalb, weil Hopp die experimentell forschende, weitgespannte Fantasie dieser Zukunftsmusik in den Fokus rückt, ohne deren esoterische Verpackung allzu...
Es klingt als Arbeitsvorhaben zunächst nicht ungewöhnlich: eine dokumentarische Biografie zu Walter Felsenstein. Der große Regisseur ist seit 40 Jahren tot, das ihm gewidmete, umfangreiche Archiv wird von der Akademie der Künste in Berlin betreut. Seine Arbeiten, so scheint es, sind besser dokumentiert als die jedes anderen Regisseurs seiner Generation. Trotzdem...
