Händel in Pastell
Ist das der gleiche Ian Bostridge, der uns mit einer nervösen, gelegentlich fast hysterischen, gellend an den Rand der Verzweiflung getriebenen Interpretation der Schubert’schen «Winterreise» aufgerüttelt hat? Der singende Schmerzensmann, der in Schuberts Müller- und Wanderburschen den existenzialistischen Menschen unserer Zeit meint, krank an Herz, Seele und Umwelt?
Sicher, die Romantik nach Beethoven, von dem man sagt, er habe die Erkenntnis von Gut und Böse in die Musik eingeführt, hat die menschliche Psyche anders gezeichnet als Händels barocke Klassik.
Doch längst vorbei die Zeit, da man – wie der Wiener Kritiker und Schriftsteller Hans Weigel – von jener Epoche als einer «der gleich schwebenden Harmonie in der Musik» sprach, dem «verlorenen Paradies vor dem Ausbruch der Pubertät» im «unschuldsvollen Stand wahrer Absolutheit», deren «Wesen Wohlklang und Schönheit» gewesen sei. Längst suchte man etwa Händels vielschichtigen, ja gebrochenen Figuren durchaus mit moderner Psychoanalyse beizukommen, ein gefundenes Fressen für Bostridge, möchte man glauben.
Im Booklet äußert sich der Künstler auf seine gewohnt kluge Art über die Dramaturgie seines Recitals (ein punktuelles ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Inszenierung von Giorgio Battistellis «Prova d’orchestra» am Stadttheater Bern stellt bereits die siebte Neuproduktion dieses mittlerweile zwölf Jahre alten Werks dar. Weitere sind geplant. Was macht das Stück derart populär? Ist es Fellinis bildmächtiger Film aus dem Jahr 1978 oder die oft illustrative Zugänglichkeit von Battistellis Musik? Für den neuen...
«Ich versuche, bereits bei den ersten Proben die Partitur so verständlich zu machen, dass die Musiker – und durch sie auch die Zuhörer – alle Details hören können, die zu dem Werk gehören. Deswegen arbeite ich mit dem Orchester immer sehr ausführlich an der Artikulation und der Balance zwischen den einzelnen Instrumentengruppen.» So antwortete Simone Young kürzlich...
Nach Christof Loys eindrucksvoller Inszenierung von «Simon Boccanegra» in der letzten Spielzeit (siehe OW 7/2007) war die diesjährige Saisoneröffnung in Frankfurt mit Verdis «Don Carlo» eine herbe Enttäuschung. Regisseur David McVicar ließ sich von Brigitte Reiffenstuel aufwändig gestaltete historische Kostüme entwerfen und die solchermaßen herausgeputzten Figuren...
