Suggestive Distanz
Eine Frau im Brautkleid, gefangen in Erinnerungen, halb träumend, halb delirierend, tigert durch die große Halle ihres verlassenen, kalten, dunklen Schlosses. Stummfilm-Ästhetik. Waffen und Fahnen an den hohen Mauern, ein Kamin, dessen Größe wetteifert mit der Kälte, die er ausstrahlt. Die Frau ist keine Lucia, auch keine Mélisande, überhaupt alles andere als eine Opernfigur.
Gespielt wird Frank Martins «Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke», ein balladenhafter Liederzyklus für tiefe Frauenstimme und Kammerorchester, der im Auftrag des Schweizer Mäzens Paul Sacher entstand und 1945 in Basel uraufgeführt wurde.
Martin hat Rilkes berühmte, in einer Nacht zu Papier gebrachte melancholische Erzählung über den Verlust von Heimat, Liebe und Vertrautheit eines Soldaten in der Fremde explizit einer Frauenstimme zugedacht – und damit die männliche Perspektive gebrochen, Rilkes Text über den historischen Fahnenträger, der in den Türkenkriegen des 17. Jahrhunderts einen sinnlosen Heldentod starb, in die Erinnerungen, Projektionen und Fantasien einer weiblichen Seele, einer Geliebten oder Mutter, transferiert.
Es ist Ute Haferburgs letzte große Produktion als Intendantin ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Reinmar Wagner
Vier Spielzeiten lang hat die Oper Bonn sich um den frühen Verdi bemüht. Jetzt rückt seine mittlere Schaffenszeit der 1850er-Jahre in den Fokus. Den Anfang machen «Les vêpres siciliennes», der zweite Anlauf des Komponisten, in Paris mit einer französischen Grand Opéra zu reüssieren. Musikalisch schließt man in Bonn keine Kompromisse und spielt den Fünfakter, der...
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der angekündigten Musiktheater- und Opernpremieren des Monats. Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link:
www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/
ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung
B =...
Eine Liebesgeschichte mit tragischem Ausgang. Der Schauplatz: die Bretagne im Mittelalter, ein stereotypisches Nordland mit Seen, Schlössern, Kirchen und Hirschjagden, nebelverhangen. Die Handlung: gespickt mit Eifersuchtsdramen, einem Duell, einem Hexenprozess und vermeintlichen Todesfällen. Der krause Plot und das Schauerambiente inspirierten Bellini zu einer...
