Blutbad, halbszenisch

Ludwigsburg, Salieri: Les Danaides

Opernwelt - Logo

Entgegen den vollmundigen Ankündigungen vom letzten Jahr (siehe OW 11/2005) hat Wulf Konold sein Pub­likum bei den diesjährigen Ludwigsburger Schlossfestspielen im Musiktheaterbereich auf Sparkost gesetzt.

Da die in Koproduktion mit den Salzburger Festspielen geplante Mozart-Trilogie – «La finta semplice», die beiden Fragmente «L’oca del Cairo» und «Lo sposo deluso» sowie ein freier szenischer Abend, in dessen Mittelpunkt das «Requiem» stehen sollte – nicht finanzierbar war, musste Konold sich auf die Werke zweier Mozart-Zeitgenossen beschränken: die aus Rudolstadt übernommene, musikalisch wie szenisch arg dürftige Spar-Inszenierung von Vicente Martín y Solers «Il burbero di buon cuore» (siehe OW 5/2006) sowie eine konzertante Wiedergabe von Antonio Salieris «Les Danaides». Beide Werke, denen man kaum je auf der Bühne begegnet, öffnen ein Zeitfenster in Mozarts unmittelbare Umgebung: Martín y Solers «dramma giocoso», weil es uns Mozart anders hören lässt und doch zugleich den Abstand deutlich macht, der diese Typenkomödie vom kurz danach entstandenen «Figaro» trennt; Salieris französische Tragédie lyrique «Les Danaides», weil sie dem klassizistischen Vorbild Glucks bereits prä­ro­man­tische, auf die Revolutionsoper vorausweisende Töne zu entlocken weiß. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2006
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Reizvolle Trouvaille

Carl Maria von Weber hat ihn zwar einst einen «bedeutenden Musiker» genannt, aber heutzutage zählen die Bühnenwerke des Mozart-Zeitgenossen Peter von Winter (1754-1825) allenfalls zu den Raritäten unserer Spiel­pläne – etwa «Das Labyrinth», eine Fortsetzung der «Zauberflöte», 1978 in München und 2002 in Chemnitz, oder «Maometto II.» 2002 in Bad Wildbad. Jetzt...

War es so schmählich, was ich verbrach?

Wisst ihr, wie das ward? Just zur Zeit, da Tankred Dorst sich für den Grünen ­Hügel um den «Ring» mühte – was je nach Standpunkt des Betrachters zu altersweiser oder naiver Exegese führte –, präsentierte der abgesprungene Lars von Trier auf der Homepage seiner Produktionsfirma das, was hätte sein können: Ein «Ring» wie ein Film Akira Kurosawas als...

Ungelöst, unerlöst

Adriana Hölszky brachte es auf den Punkt: «Es ist nicht die Frage, wie man zu einem Text kommt, sondern wie man rauskommt aus einem Text.» Was die Komponistin damit umriss, ist nicht weniger als ein zentrales Dilemma heutigen Komponierens. Kaum etwas ist dabei so verpönt wie die Abbildung einer literarischen Vorlage mit musikalischen Mitteln. Die so genannte...