In der Jahrhunderthalle
Im niederschlesischen Wroclaw, zu dem man wieder Breslau sagen darf, ohne als Revanchist verdächtigt zu werden, steht ein luxuriös restauriertes Opernhaus, samtweich und goldglänzend. Aber weil sich die Handwerker auch nach der offiziellen Eröffnung noch ungebührlich viel Zeit lassen, weicht die Intendantin weiter aus. An den verrücktesten Orten hat sie schon spielen lassen. Warum dann ihr ehrgeizigstes Projekt, Wagners «Ring», nicht gleich in Walhall selbst?
Der Götterhimmel liegt am Stadtrand.
Hier hockt Max Bergs «Jahrhunderthalle», beinahe hundertjährig und noch immer ungeheuer kühn in ihrer Anlage: von außen eine Art Riesen-Moschee; mit ihrer gewaltigen Betonkuppel ein gestrandetes Ufo von innen. Platz ist hier für fünftausend, genau die richtige Größe also für Sportspektakel und Opernereignisse.
Wagner im Event-Schuppen – warum nicht? In der einstigen Wagner-Stadt Breslau wurde der «Ring» seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr aufgeführt. Mit zäher Leidenschaft hat ihn die Intendantin Ewa Michnik der Stadt gleich in monumentaler Größe zurückgegeben. Allen Skeptikern zum Trotz feierte die «Götterdämmerung» Ende Juni Premiere – der ersten, für Oktober geplanten zyklischen ...
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Lorraine Hunt Lieberson war durch und durch Musikerin. Sie hatte Bratsche und Gesang studiert, spielte im Orchester, trat in einem Chor auf – und ergriff ihre Chance, als Peter Sellars 1985 einen Sesto für seine legendäre Inszenierung von Händels «Giulio Cesare» suchte. Im «Opernwelt»-Interview, das wir im Sommer 1997 in Berlin führten (siehe OW 10/97), erinnerte...
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