Auf Springteufel komm raus
Herbert Fritschs Zürcher «Freischütz» ist eine derart einfallsreich gearbeitete Banalität, dass man gar nicht recht weiß, wovon man zuerst schweigen möchte. «Lebt kein Gott?», röhrt Max, der brave Jägersbursch. Klare Antwort: Nein. Und schlimmer noch: Um den Teufel ist es auch übel bestellt. Der hüpft von Anfang an und unermüdlich durch die Oper wie ein lästiges Insert im Fernsehprogramm, ein leuchtend roter El Greco, nicht ohne Eleganz also, nur leider mit eklatantem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom.
Ganz famos dribbelt und klettert, tänzelt und schwebt der geradezu akrobatische Florian Anderer durch den Bühnenraum, er zippelt und zappelt und grimassiert den ewigen Tollpatsch. Mit einem solchen Hanswurst ist kein Blumentopf zu gewinnen. Dass er als Schlusspointe Agathe unter den Brautrock schlüpft, um auf doch noch wahrhaft diabolische Weise in ihren Körper zu fahren – so viel Grips war ihm weiß Gott nicht zuzutrauen.
Denn IQ-mäßig schenkt sich der Fürst der Finsternis nicht viel mit den bäuerlichen Bodentruppen: Victoria Behr hat sie in quietschbunte Tracht gekleidet, kunstvolle Botanik auf den Köpfen; Kuno und sein Waidmannspersonal leiden unter primatenhafter Gesichtsbehaarung. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2016
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Clemens Prokop
Impressum
57. Jahrgang, Nr 11
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752294
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 11.10.2016
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
Giacomo Puccinis «La Bohème» ist die Geschichte einer Enttäuschung, die mit dem antibürgerlichen Eklat beginnt und mit der Flucht vor der Realität des Todes endet ‒ eine hymnische Feier der Jugend und deren rüde Entzauberung. Und weil die couleur locale der Oper so pariserisch ist wie wohl nur noch in Gustave Charpentiers «Louise», hat Jens-Daniel Herzog in seiner...
Darmstadts Intendant Karsten Wiegand hatte unlängst zwei große künstlerische Erfolge mit Luigi Nonos «Prometeo» und Georg Friedrich Haas’ «Koma». Unerschrocken arbeitet er daran, die Tradition der «Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik» im Theater weiterzutragen. So ließ er die neue Spielzeit mit zwei aus einem Wettbewerb hervorgegangenen Mini-Opern unter dem...
