Lebenswege
Drei Generationen, drei Stimmfächer, drei mögliche Arten, eine Sängerbiografie zu schreiben. Arleen Auger wird zum 20. Todestag gewürdigt, Jochen Kowalski zum 60. Geburtstag – und die 37-jährige Elina Garanca, weil sie ein MedienDarling ist. Da gebührt natürlich der großen amerikanischen Interpretin der Vorrang: Ein einziges Mal nur hat Ralph Zedler Arleen Auger live erlebt, er ist Jahrgang 1970, sie wurde 1939 geboren – doch er wurde ihr glühendster Fan.
Gleich, nachdem Auger 1993 tragisch früh an einem Gehirntumor gestorben war, wollte der Musikwissenschaftler seine Begeisterung in Buchform bringen, doch eigene berufliche Herausforderungen kamen dazwischen. Sehr gründlich hat er nun recherchiert, mit unzähligen Weggefährten der Sängerin gesprochen. Allein 97 Seiten umfasst die äußerst detaillierte Diskografie, nicht nur die 150 Platten, die Arleen Auger in 25 Karrierejahren aufnehmen konnte, sind verzeichnet, sondern auch jeder TV-Mitschnitt und alles, «was noch in Rundfunkarchiven schlummert». Dennoch ist keine Hagiografie dabei herausgekommen: Bei aller Verehrung bemüht sich Zedler um einen sachlichen Tonfall, spart auch kritische (Presse-) Stimmen nicht aus.
Der Kirchenchor ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Frederik Hanssen
Jedes Jahr am 12. Oktober bekam der junge Mauricio Kagel in Buenos Aires Magengrimmen. Denn an diesem Datum feiert Argentinien die Entdeckung Amerikas mit einem «Día de la raza» («Tag der Rasse»), dem Kolumbus-Tag, einem chauvinistischen Fest zu Ehren der Kolonialisierung. Dies lag Kagel schon aufgrund seiner jüdisch-russisch-deutschen Herkunft stets stagelgrün...
Steckt in uns allen nicht etwas von Mephisto? Am Schluss der Aufführung nimmt jedenfalls Samuel Youn jenen Platz ein, den zu Anfang Klaus Florian Vogt besessen hat: an einem kleinen Tischchen, das ziemlich verloren auf der Bühnenschräge steht, und wieder sind auf demselben Rund zwei Tänzer aktiv, gleichsam ein dualististisches Prinzip imaginierend – als handele es...
«Der Schnee fällt nicht hinauf | sondern nimmt seinen Lauf | hinab und bleibt hier liegen, | noch nie ist er gestiegen», reimte der Schweizer Schriftsteller Robert Walser in einem vierstrophigen Gedicht. Manchmal, wie jetzt am Theater Basel, fällt der Schnee aber dann doch auch von unten nach oben. Fliegt auf Diagonalen. Stürmt himmelwärts. Tanzt wild auf der...
