Mozart: Zaïde
Der Terror-Chef rast: Die allzu schöne Überläuferin erwies sich als lauwarm. Nichts ist’s mit der Revolution, stattdessen spielen wieder mal die Gefühle verrückt. Da hilft nur die Hinrichtung. Liebe und Tod liegen nah beieinander, aber am Ende siegt nicht die Internationale, sondern – die Musik.
Natürlich siegt sie, denn Mozart hat sie geschrieben. Aus «Zaïde», dem äußerlich unvollendeten Singspiel, kann man all das herausholen: die großen Gefühle, die Sehnsucht nach Freiheit, den Todes-mut.
Überliefert sind fünfzehn Musiknummern, die durch eine Dramaturgie schlüssig gemacht werden müssen. Hat Calixto Bieito in seiner Berliner «Serail»-Inszenierung Mozarts Orient brutal entzaubert, so setzt die Regisseurin und Autorin Jenny Erpenbeck bei ihrer «Zaïde» nicht nur auf Gewalt, sondern auch auf die Poesie. Erpenbecks «Vervollständigung» des Fragments ist somit ein würdiger Beitrag zum Mozart-Jahr – und dies nicht, weil sie die ursprüngliche Geschichte, die der «Entführung» stark ähnelt, «aktualisiert», sondern weil diese Aktualisierung ans Herz rührt. Historischer Hintergrund dieser Neueinrichtung ist die Verbrüderung der Millionärstochter Patty Hearst mit ihren Entführern. Im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die 1970 in Berlin geborene New Yorkerin Audra McDonald ist ein Phänomen. Fünfmal war die Sängerin bereits wegen ihrer Auftritte in diversen Broadway-Produktionen für einen Tony Award nominiert. Und zwar nicht nur als Musical-Diva, sondern auch als Schauspielerin im Sprechtheater. Und viermal hat sie den Preis bisher nach Hause tragen können. Ein einmaliger Rekord,...
Schwierig, diese Mythen. Wollen uns Nachgeborenen immer gleich die ganze Welt erzählen, verschweigen, verwirren. Deuten an, damit wir, die Ausdeuter, deutlich werden können – so wir wollen. Denn natürlich kann man sich naiv stellen, einen Mythos einfach abbilden, sich dann in seiner Verwirrtheit zurücklehnen; sollen andere sich bemühen, sich kümmern, sollen sie...
Dass Heinz Zednik, der Broucek der neuen Produktion von Janáceks Opernsatire an der Wiener Volksoper, als Kandidat im Nachfolgespiel um den vorzeitig aus dem Amte scheidenden Direktor Rudolf Berger kolportiert wurde (inzwischen hat er zu verstehen gegeben, dass er nicht mag), ist nicht ohne Pikanterie. Nicht Zedniks, sondern der von ihm verkörperten Figur wegen,...
