Kalkulierter Rausch
Scheibchenweise geht das bei den Tiroler Festspielen. Und den Überblick haben eigentlich alle verloren, die nicht regelmäßig im Saal des Innsbrucker Gerichts dabei sind. Eine der Entscheidungen in Sachen Gustav Kuhn sticht heraus: Sexuelle Übergriffe in Erl hat die Gleichbehandlungskommission inzwischen bestätigt, rechtliche Wirkung hat das (noch) nicht. In den letzten Wochen der alten Ära, die von Kuhns Ex-Adlatus Andreas Leisner als Interimsintendant betreut wird, ist ohnehin die Perestroika angebrochen. Die Regiesprache betrifft das, aber auch die Besetzungspolitik.
Eine «Aida» fast nur in Frauenhand – ein Schelm, wem da nicht eine Art Ablassversuch schwant.
Daniela Kerck (Regie, Bühne) denkt gar nicht daran, zwei Völker aufeinanderprallen zu lassen. Im kühlen Einheitsraum, der gern mit genau gezirkelten Stuhlreihen bestückt wird, erzählt sie vom Kampf zwischen den Geschlechtern. Von Vergewaltigung der Sklavinnen durch die Guerillatruppe um Ramfis, von der Engstirnigkeit und Kriegsbesoffenheit der Kerle, von einer Welt, aus der es für Aida und Radamès kein Entrinnen gibt. «Nicht ihr Frauen verfügt über euren Leib, sondern der Mann»: Mit projizierten Sprüchen wird dem hier ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Markus Thiel
Viele Namen wurden gehandelt, aber am Ende war es doch eine Überraschung: Den neuen «Ring» der Bayreuther Festspiele 2020 inszeniert der gerade 30-jährige «Ring-Award»-Preisträger Valentin Schwarz, die musikalische Leitung hat der Finne Pietari Inkinen, über dessen erstes Dirigat der Tetralogie im australischen Melbourne «Opernwelt» berichtete (siehe OW 1/2014)....
JUBILARE
Adam Fischer studierte Komposition und Dirigieren in seiner Geburtsstadt Budapest sowie bei Hans Swarowsky in Wien. 1973 gewann er den 1. Preis des Cantelli-Wettbewerbs in Mailand und wurde daraufhin als Korrepetitor an die Grazer Oper verpflichtet. Nach Stationen als Erster Kapellmeister in Helsinki, Karlsruhe und München war er GMD in Freiburg...
Großer Bahnhof für Wolfgang Wagner, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Einen «fränkischen Sokrates» hatte ihn einst Walter Jens genannt. Fast 60 Jahre leitete er die Bayreuther Festspiele (davon 15 mit seinem Bruder Wieland). Nun wurde er nicht nur in Haus Wahnfried mit einer Ausstellung geehrt, von der vor allem viele bislang unveröffentlichte Fotos...
