Höllensturz
In früheren Opernzeiten diskutierte man über das Verhältnis von Wort und Ton in der Oper «Capriccio» von Richard Strauss, und Clemens Krauss darf in diesem ästhetischen Streit als genialisches Schlusswort gelten. In der Gegenwart müssen sich Wort und Ton immer mehr verbünden: Der Gegner, mit dem um die Vorherrschaft gerungen wird, heißt Video. Das Geflimmere auf den Bildschirmen überflutet oft Musik, Sänger und die eigentliche Geschichte, die erzählt werden sollte. Beispiele: Bill Violas und Peter Sellars’ «Tristan» in Paris, William Kentridges Brüsseler «Zauberflöte».
Natürlich kommt es letztlich auf die dramaturgisch begründete Einbeziehung des Filmisch-Optischen in das vorgegebene Opernwerk an.
Insofern möchte man der Inszenierung Guy Cassiers von Wagners «Fliegendem Holländer» an der Brüsseler Oper den Status eines weiteren Versuchs zubilligen, die Video-Ästhetik mit der Ästhetik einer vorliegenden Oper zu verbinden. Von Guy Cassiers kennt man hierzulande von den Ruhrfestspielen eine ausgezeichnete, sehr dichte Inszenierung von Kris Defoorts «Woman Who Walked into Doors». Natürlich ist das noch keine Qualifikation für eine Wagner-Oper. Oder doch? Die Projektionsästhetik bei ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Herr Stein, Sie haben vor zehn Jahren in Amsterdam «Moses und Aron» von Arnold Schönberg inszeniert. Nun sind Sie für eine neue Produktion von Hans Werner Henzes «The Bassarids» an De Nederlandse Opera zurückgekehrt. Beide Werke verhandeln fundamentale philosophische Gegensätze. Haben Sie eine Vorliebe für solche Konfrontationen?
Theater handelt immer von...
«Peter Grimes», denkt man bei sich, das ist die unumgängliche Realismus-Pusselei der Bootspflege, des Netzeflickens, der morgendlichen Verrichtungen am Meer. Ja, meint man weiter, es muss in Benjamin Brittens Oper nach Salzwasser, nach Fisch riechen. Mag sein, dass es das in Zürich am Rande auch tat. Auf Robert Israels zweistöckiger Bühne war allerdings wenig vom...
Ein (fast) leeres Bühnenhaus mit Hunderten kleiner Glühbirnen als schwebendem Himmel und einer Zugstange zum Sitzen, Schaukeln, Hangeln und Anlehnen; die Zuschauer auf einer Tribüne über dem Graben; zehn Musiker (mit Originalinstrumenten!) seitlich auf einer Empore; engagierte, musikalische Sänger; eine prägnante Regie und die präzise, lebendige, ausnehmend...
