Humor und Eleganz

Philippe Jaroussky, Nathalie Stutzmann und Enrico Onofri bei den Händel-Festspielen in Halle

Opernwelt - Logo

Ohne das Fernsehen wäre Philippe Jaroussky nicht Sänger geworden. Mit siebzehn Jahren, als er noch ganz der Geige, dem Klavier und der Komposition verschrieben war, sah er Ann Murray und hörte, wie sie «Scherza infida» aus Georg Friedrich Händels «Ariodante» sang. Jaroussky brach in Tränen aus und wollte fortan singen. Das hat er jetzt erzählt: in Halle, wo er den Händelpreis der Stadt, verliehen von der Stiftung Händel-Haus, bekam.

«Händel hat viel für Kastratenstimmen komponiert, doch ich bin – glücklicherweise – nur ein Countertenor», lautete eine weitere persönliche Bemerkung seiner launigen, auf Deutsch gehaltenen Dankesrede. Mit ihr antwortete er nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die herzliche Laudatio der Altistin und fabelhaften Dirigentin Nathalie Stutzmann, die ihn gemeinsam mit dem Orchester Orfeo 55 beim Festkonzert der Händel-Festspiele in Halle begleitet hatte. Stutzmanns Wachheit, Humor und Vielfalt im gestischen Vokabular des Dirigierens sind immens. Die gute Schule der finnischen Lehrerlegende Jorma Panula ist sofort zu sehen.

Diesen Humor und diese Frische hätte Stephen Lawless’ Inszenierung von Händels «Lucio Cornelio Silla» bei den Festspielen auch gut ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2015
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Jan Brachmann

Weitere Beiträge
Alte und neue Lockungen

Als der 24-jährige Bohuslav Martinu 1923 nach Paris kam, um bei Albert Roussel weiter Komposition zu studieren, begann eine der faszinierendsten künstlerischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts, ein Weg des ständigen Oszillierens zwischen nostalgisch-folkloristischen Einflüsterungen, Erinnerungen, Sehnsüchten und modernistisch-urbanen, gleichsam kosmopolitischen...

Durchs Leid mit Freud

Um das Essener Aalto-Theater war es ruhig geworden in letzter Zeit. Seit Hein Mulders nach der langen und glanzvollen Ära von Stefan Soltesz mit der Spielzeit 2013/14 die Intendanz des Hauses (und die der benachbarten Philharmonie) übernahm, gab es überwiegend risikoarme Koproduktionen zu sehen, und das wenige Hausgemachte wollte sich nicht recht zu einem neuen...

Willkommen in der Hölle

Der Norden der Brüsseler Innenstadt ist kein idyllischer Ort. Die großen Boulevards mit ihren pompösen Wohnblocks zerfransen am Nordbahnhof, der Straßenstrich wirkt am Sonntag noch deprimierender als sonst, das ganze Viertel ist eine von Büroeffizienz und Kommerz diktierte Bausünde der 90er-Jahre. In der großstädtischen Ödnis drängen sich nur vor dem Théâtre...