Irrlichternde Rollgitter
Da ist gerade ein Mann Amok gelaufen und hat alles um sich herum zerstört. Nun überfällt ihn eine plötzliche Müdigkeit. Lediglich zwei warme, zarte Viole
d’amore begleiten den Mann. Und niemand weiß, ob es danach jemals wieder ein Leben gibt. Es war dies die ergreifendste Szene des ganzen Abends. Das Erwachen von David Daniels in der Münchner Erstaufführung von Händels «Orlando» brachte die Geschichte vom Soldaten, der der Liebe zugunsten von kriegerischem Ruhm und Ehre abschwört, freilich zu einem bitteren Ende.
Der blaue Superman mit seinen unnatürlich breiten Schultern wird von seinen «Kameraden» wieder als Kampfmaschine auf ein Roboter-Ungetüm gesetzt – ein Zwitter aus ferngesteuerter Riesenkrake und Feuer speiendem Panzer.
David Alden liebt grelle Effekte, bei der visuelle Knaller die Personenregie überdecken – oder ersetzen. Dank der variablen Einheitsbühne von Paul Steinberg und den frechen Kostümen von Buki Shiff kommt auch diesmal keine Langeweile auf. Die Bühne signalisiert Überlebenskampf. Flexible orangefarbene Wände, die wie überdimensionale Rollgitter einer Kaserne oder Fabrik aussehen, begrenzen den Raum, können von innen beleuchtet werden oder auch – wenn der ...
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Auch das Publikum ist nicht mehr das, was es einmal war. Beispiel: Parma. In der Verdi-Hochburg übte es noch in den frühen sechziger Jahren mit gnadenloser Strenge sein selbst erteiltes Richteramt aus. Auch die Großen blieben nicht verschont. Rosanna Carteri etwa flüchtete sich während einer «Traviata»-Aufführung vor den Missfallenskundgebungen in eine Ohnmacht,...
Der bemerkenswerteste Versuch, Monteverdis «Poppea» den Händen von Barockspezialisten zu entwinden und dem musiktheatralischen Mainstream zuzuführen, war 1976 in Paris zu verfolgen, als Gwyneth Jones die Titelpartie sang, Jon Vickers den Nerone gab und Christa Ludwig als Ottavia, Richard Stilwell als Ottone sowie Nikolai Ghiaurov als Seneca auf der Bühne standen....
Das Anhaltische Theater – seit der Jahrhundertwende ein Ort der «Wagnerpflege» – hatte mehr als fünfzig Jahre keinen «Tristan» mehr im Repertoire. Mit einer «naturbelassenen» Neuinszenierung wollte Hausherr Johannes Felsenstein dem abhelfen. Ein unverfälschter «Tristan»? Selbst wer die Münchner Uraufführungsdekorationen kopiert, ist von einer «authentischen»...
