Spurensuche

Barockrecitals mit Ann Hallenberg und Roberta Invernizzi

Opernwelt - Logo

Für den imaginären, idealen Solisten waren die Arien nie gedacht. Barocke Oper, das hieß vor allem Maßanfertigung – egal, ob das durch den dramatischen Augenblick gerade motiviert war oder nicht. Eventuelle Schwächen der Stars wurden gekonnt kaschiert: War die Stimme zu wenig umfangreich, wurde mehr Zierrat eingeflochten. Und war die Kollegin in den Wiederaufnahmen vokal anders gestrickt, gab es eben eine neue Arie, und die alte wanderte in den Papierkorb.

Von all dem «erzählen» diese zwei CDs.

«Hidden Handel» mit der Mezzosopranistin Ann Hallenberg ist dabei wörtlich zu nehmen. Neun der zwölf Arien wurden noch nie eingespielt. Und fast alle sind aus Zweit- und Drittfassungen von Händels Opern. Die Nachkomposition in «Rinaldo» galt zum Beispiel Anastasia Robinson (1692-1755), die sich nach einer Krankheit vom Sopran zum Mezzosopran wandelte. Die für «Pirro e Demetrio» dem Kastraten Antonio Bernacchi (1690-1756). Und die für «Alessandro» der Mezzosopranistin Faustina Bordoni (1697-1781).

Über den Vokalzuschnitt dieser historischen Stars sagt die CD nur bedingt etwas aus, der Einsatz einer einzigen Sängerin nivelliert die Unterschiede. Dafür aber sagt dieses Recital etwas aus über Ann ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Intimes Kammerspiel

Die «Not um den Geschlechtstrieb» im «Parsifal» –Friedrich Nietzsche hat ihn als einer der Ersten spöttisch aufs Korn genommen. Nicht von ungefähr, handelt es sich dabei doch um nur eine der – gerade aus heutiger Sicht – anachronistisch anmutenden Ideen dieses ideologisch nicht unproblematischen Werks.

In seiner Neuinszenierung des Bühnenweihfestspiels für die...

Der aufgeklärte Held

Da liegt einer, mit einem Leichentuch zugedeckt. Regt sich, setzt sich auf: Siegfried! Staubig-soldatisches Aussehen: geschorener Schädel, Stiefel, schlammfarbene Hose, der Oberkörper in Verbände gewickelt, im Rücken Blutspuren von der tödlichen Wunde, die Hagen ihm mit dem Speer zugefügt hat. Wiederauferstanden von den Toten. Und man merkt, dass er viel Zeit...

Entzaubert

Das Wunder bleibt aus. Kein Blitz entzündet – wie vom Librettisten Victor-Joseph Etienne de Jouy vorgesehen – am Ende Julias Schleier, um die heilige Flamme wieder zu entfachen. Bei Regisseur Eric Lacascade kommt das magische Licht in «La vestale» ganz profan zurück: Auf Wink der Oberpriesterin greift eine Vestalin zu einer Dekoleuchte. Der Pontifex maximus und...