Zerbrechlich wie die Liebe

Amsterdam eröffnet die Spielzeit fulminant mit Monteverdis «Orfeo» und einer szenischen Version von Schönbergs «Gurre-Liedern»

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Bei Monteverdi tastet sich Orfeo mit singendem Sprechen ins Jenseits. Er beklagt den Tod seiner geliebten Euri­dice, gewinnt sie, verliert sie wieder und wird vom Sonnengott Apollo in den Himmel erhoben, wo er seine Angebetete künftig als Sternbild bewundern kann. Monteverdi beglaubigt den alten Mythos durch eine frische, authentische Kunstform – die Oper ist geboren. Rund 300 Jahre später, bei Schönberg, beklagt König Waldemar den Tod seiner geliebten Tove mit heldentenoraler Wucht.

Er schwingt sich zur Blasphemie auf, muss mit einer Armee klappernder Skelette durchs Jenseits reiten − bis die Sonne aufsteigt und sich der Spuk in gleißendem C-Dur auflöst. Schönberg beglaubigt die alte Sage durch eine ins Gigantische gesteigerte Kammermusik. ­Jeder Takt ringt um Authentizität. Die Oper ist ­eigentlich tot. Aber sie hat bei Korngold, Schreker, Zemlinsky irrlichternde Nachzügler und setzt mit Debussys «Pelléas et Mélisande» wieder ganz beim singenden Sprechen an.

Die «Gurre-Lieder» sind keine Oper, sondern das aufwändigste Oratorium der Musikgeschichte. Jetzt wurden sie in Amsterdam erstmals szenisch aufgeführt. Sie waren dort, quasi als double bill, am Tag nach «Orfeo» zu erleben. ...

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Opernwelt November 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Stephan Mösch

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